Debüt im Swing State: Harris greift Trump an

von Redaktion

Rede kurz nach Parteitag der Republikaner in Milwaukee – Trump will Bidens Spenden für Harris sperren

Bester Laune: Vizepräsidentin Kamala Harris schwimmt bei ihrem Auftritt in Wisconsin auf einer Euphoriewelle. © PHELPS/epa

Washington – Es ist ihr erster Wahlkampfauftritt als potenzielle Präsidentschaftskandidatin. Und der Kontrast zu den Ansprachen des scheidenden US-Präsidenten könnte größer kaum sein: Wo Joe Bidens Reden oft energielos und holperig wirkten, liefert seine Vizepräsidentin Kamala Harris einen kraftvollen und enthusiastischen Auftritt – den das Publikum in Wisconsin mit Jubel quittiert. Wiederholt stimmt die Menschenmenge Sprechchöre mit dem Vornamen der 59-Jährigen an.

Harris warnt, im Falle eines Wahlsiegs ihres republikanischen Rivalen Donald Trump könnten die USA ein „Land des Chaos, der Angst und des Hasses“ werden. Der Rechtspopulist verfolge eine rückwärtsgewandte Politik, sagt sie und fragt: „Wollen wir in einem Land der Freiheit, des Mitgefühls und der Rechtsstaatlichkeit leben, oder in einem Land des Chaos, der Angst und des Hasses?“ Der Bundesstaat Wisconsin gilt als einer der Schlüsselstaaten bei der Wahl im November. In Milwaukee hatte vergangene Woche der Parteitag der Republikaner stattgefunden, auf dem Trump offiziell zum Präsidentschaftskandidaten gekürt wurde.

Sie kenne Männer wie Trump, sagt Harris und wiederholt damit Äußerungen vom Montag, als sie darauf verwiesen hatte, dass sie es in ihrer Zeit als Staatsanwältin „mit Tätern aller Art aufgenommen“ habe. Sie werde „mit Stolz meine Bilanz gegen seine stellen“. Ein Schwerpunkt ihrer Rede ist das Recht auf Abtreibung. Harris wirft Trump vor, Abtreibungen verbieten zu wollen. „Wir vertrauen darauf, dass Frauen Entscheidungen über ihren eigenen Körper treffen und sich nicht von der Regierung vorschreiben lassen, was sie zu tun haben.“

Harris gilt nach Bidens Rückzug aus dem Rennen um das Weiße Haus als Favoritin für die Präsidentschaftskandidatur der Demokratischen Partei. Der 81-Jährige hatte am Sonntag angesichts der Zweifel an seiner geistigen und körperlichen Fitness den Verzicht auf seine erneute Kandidatur erklärt und Harris seine Unterstützung zugesagt. Am Dienstag sprachen sich auch die beiden führenden Demokraten im Kongress – der Mehrheitsführer im Senat, Chuck Schumer, und der Minderheitsführer im Repräsentantenhaus, Hakeem Jeffries – bei einer gemeinsamen Pressekonferenz für eine Kandidatur von Harris aus. Schumer und Jeffries gehörten zu den letzten politischen Schwergewichten der Demokraten, die sich bislang nicht öffentlich hinter die 59-Jährige gestellt hatten.

Harris hat nach eigenen Angaben inzwischen die Unterstützung von genügend Delegierten, um offiziell zur Kandidatin der Demokraten gekürt zu werden. Die Nominierung soll bis zum 7. August in einer Onlineabstimmung der Delegierten erfolgen – fast zwei Wochen vor dem Parteitag der Demokraten in Chicago. Eine erste Umfrage von Reuters/Ipsos sieht Harris mit einem knappen Vorsprung vor Trump (44 zu 42 Prozent). In einer anderen Umfrage von PBS News/NPR/Marist liegt Trump hingegen leicht vorne (46 zu 45 Prozent). In beiden Fällen liegt der Vorsprung jedoch innerhalb der Fehlermarge.

Trump versucht gleichzeitig zu verhindern, dass Harris auf Gelder zugreifen kann, die Biden gesammelt hat, als er noch Präsidentschaftsbewerber war. Trumps Team reichte eine entsprechende Beschwerde bei der zuständigen Behörde ein. Der Schritt ist nicht überraschend. Auf seinem Sprachrohr Truth Social verunglimpfte der 78-Jährige seine politische Gegnerin als „Lyin‘ Kamala Harris“ – also „Lügende Kamala Harris“. Trump erfindet für seine Rivalen regelmäßig wenig schmeichelhafte Spitznamen.

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