Euphorie alleine reicht nicht

von Redaktion

US-Demokraten im Harris-Fieber

Unter den US-Demokraten herrscht eine seit Jahren nicht mehr erlebte Aufbruchstimmung. Parteispender schreiben Schecks mit einem Tempo, als sei Harris eine Microsoft-Aktie kurz nach der Börseneinführung. Schon vergessen die Tatsache, dass Joe Biden mit dem Rücktritt auch deshalb zögerte, weil er Harris einen Sieg nicht zutraute. Der erste Wahlkampf-Auftritt der neuen Hoffnungsträgerin zeigte Fans in einem Stadium, das einem Delirium ähnelt.

Harris hat deshalb einen guten Schritt getan, als sie verkündete: Man habe noch viel zu tun, um Donald Trump zu besiegen. In der Tat gibt es hier keine Automatik mit einem neuen Gesicht. Die Euphorie dürfte, wie bei jeder Novität, bald in eine Normalzone zurückkehren. Was die US-Demokraten nun brauchen, ist nicht nur eine neu inspirierte Basis nach dem qualvollen Ende der Biden-Bewerbung. Sie brauchen auch Realitätssinn und eine Strategie, die über persönliche Beleidigungen des zwielichtigen Charakters Trumps hinausgeht. Auch in Wisconsin hielt Harris ihre Standardrede, die sich vor allem den Verfehlungen des Gegners und seiner Verurteilung in New York widmete, die möglicherweise revidiert wird. Das gefällt zwar der Basis, die Trump hasst wie einen Steuerprüfer. Doch Wechselwähler, die die Wahlen in den „swing states“ entscheiden, erwarten klare politische Perspektiven. Harris sollte die Popularitätswelle zur Präsentation ihrer künftigen Politik nutzen. Politik@ovb.net

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