Paris – Die Kandidatin der französischen Linken für das Amt der Premierministerin, Lucie Castets, hat Präsident Emmanuel Macron zu ihrer baldigen Ernennung aufgefordert. „Ich bin bereit und bitte den Präsidenten, sich verantwortlich zu zeigen und mich zur Premierministerin zu ernennen“, sagte die 37-jährige Finanzexpertin, die in der Öffentlichkeit kaum bekannt ist, am Mittwoch dem Sender France Inter.
Zugleich lehnte sie eine Zusammenarbeit mit dem Präsidentenlager ab. „Ich nehme politische Differenzen ernst, eine Koalition mit dem Regierungslager ist unmöglich, und das wollen unsere Wähler auch nicht.“ Das Wahlprogramm der Neuen Volksfront bleibe ihre Basis. Im Fall ihrer Ernennung will sie die Anhebung des Rentenalters von 62 auf 64 Jahre rückgängig machen.
Die Parteien des links-grünen Wahlbündnisses Neue Volksfront hatten sich am Vorabend auf Castets geeinigt. Eine Stunde später bekräftigte Macron in einem Interview, dass er erst nach dem Ende der Olympischen Spiele einen neuen Premierminister ernennen wolle. Die bisherige Regierung bleibe bis dahin geschäftsführend im Amt.
Auf die neue Kandidatin der Linken ging er nicht weiter ein. „Es geht jetzt nicht um Namen, es geht darum, welche Mehrheit sich in der Nationalversammlung bildet“, sagte Macron. Der Präsident appellierte an alle Parteien, sich anzupassen. „Es ist ihre Verantwortung, etwas zu tun, was in allen europäischen Demokratien geschieht, und was bislang nicht in unserer Tradition ist (…), nämlich Kompromisse einzugehen“, betonte er.
Keine Partei habe die Wahl gewonnen, keine könne darauf pochen, lediglich ihr eigenes Wahlprogramm durchzusetzen, sagte er. Macron bekräftigte, dass er nicht an einen Rücktritt denke. „Die Französinnen und Franzosen haben mir ein Mandat erteilt. (…) Das erfülle ich bis zum Ende“, sagte er.