Die begehrte Goldmünze Krüger Rand im Gewicht von genau einer Unze (= 28,35 g) Feingold ist heute so teuer wie noch nie. Schlappe 2232 Euro muss der Käufer hinlegen dafür. Gold bringt keine Verzinsung, aber jeder möchte davon wenigstens etwas besitzen. Macht das eigentlich Sinn?
Im Grunde nicht, denn Gold wird in Wahrheit gar nicht wertvoller – unser Papiergeld wird immer weniger wert. Die Zentralbanken als Hüterinnen unserer Währungen schaffen es schon lange nicht mehr, den Wert unseres Geldes zu erhalten. Längst haben sie eine Funktion des Geldes zerstört, nämlich nicht nur Tauschmittel, sondern ebenso Wertaufbewahrungsmittel zu sein.
Das aber ist es, was Gold leisten kann durch die Jahrtausende. Vor zweitausend Jahren, zur Zeit der Römer, betrug der Preis für eine handgefertigte Toga etwa eine Unze Gold. Heute entspricht der Preis einer Unze Gold ungefähr dem eines maßgeschneiderten Anzuges. Also nichts Neues über 2000 Jahre? Nicht ganz, denn es gab auch für unsere Geldwährungen bessere Zeiten, als wir noch den „Goldstandard“ hatten. In Deutschland war das der Fall bis 1914, in den USA sogar noch bis 1971. Danach waren die Nationalbanken bereit und verpflichtet, das von ihnen ausgegebene Papiergeld jederzeit in Gold zu einem garantierten Satz umzutauschen. Ein 20-Reichsmark-Schein war genau so viel wert wie die 20-Reichsmark-Goldmünze. Gold oder Papiergeld waren das gleiche.
Die Amerikaner als seit dem Ersten Weltkrieg einzige verbliebene Weltmacht konnten erst 1971 die Garantie nicht mehr halten, jeden Papierdollar zum Preis von 35 Dollar je Unze in Gold aufzuwiegen. Daran, dass heute eine Unze Gold 2400 Dollar kostet, sieht man, wie sehr auch die US-Währung seither an Wert verloren hat. Gold behält nur deswegen im Verhältnis zu den Papierwährungen mehr Wert, weil es nicht so leicht vermehrbar ist wie Papiergeld, das jede Staatsbank in beliebiger Höhe drucken lassen kann. Gold wird zwar auch durch Schürfen in den Goldminen vermehrt – aber das geht nur langsam.
Einen wirklichen Sachwert, wenn es hart auf hart kommt, hat Gold nicht. Robinson Crusoe, der auf eine unbewohnte Insel verschlagene Einsiedler, findet eines Tages einen Goldklumpen bei der Ackerarbeit auf seinem Gelände. Achtlos wirft er ihn fort, weil eben niemand da ist, der etwas geben könnte für Gold. Daniel Defoe, der Autor dieser Geschichte, gibt uns hier ganz nebenbei eine gute Lehre in Volkswirtschaft.
Wenn Goethe im „Faust“ das reizende Gretchen beim Anblick von goldenen Juwelen sagen lässt: „Am Golde hängt doch alles“, dann hat er damit nur eingeschränkt Recht. Die Verwendung als Schmuck für schöne Frauen bleibt aber unbestritten das Beste, was man mit Gold machen kann. Das glückliche Lächeln auf einem Gesicht bedeutet einfach viel mehr als alle Goldschätze dieser Welt zusammen genommen.
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