USA dringen auf Geisel-Deal

von Redaktion

Freundliche Gesten, aber klare Worte: Die USA drängen Israel, die humanitäre Hilfe in Gaza zu verstärken und mehr für den Schutz der Zivilbevölkerung zu tun. © Walsh/dpa

Washington – Die US-Regierung hat Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu dazu aufgefordert, mehr für den Schutz der notleidenden Bevölkerung im Gazastreifen zu tun und einem Abkommen über einen Waffenstillstand und die Freilassung der Geiseln zuzustimmen. Sowohl US-Präsident Joe Biden als auch dessen Vize Kamala Harris fanden nach separaten Gesprächen mit Netanjahu im Weißen Haus deutliche Worte. Dies stieß in Israel auf Kritik. Am Freitag traf Netanjahu sich noch mit dem republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump.

Für Harris war das Treffen mit Netanjahu die erste wichtige Bewährungsprobe in ihrer Rolle als Ersatzkandidatin der Demokraten im Präsidentschaftswahlkampf. Sie will bei der US-Wahl am 5. November den Republikaner Trump schlagen, nachdem sich Amtsinhaber Biden aus dem Rennen zurückgezogen hatte.

„Israel hat das Recht, sich zu verteidigen, und es ist wichtig, wie es das tut“, sagte die 59-Jährige nach dem Treffen. Sie habe in dem Gespräch mit Netanjahu ihre „ernste Besorgnis über das Ausmaß des menschlichen Leids im Gazastreifen zum Ausdruck gebracht“. Dazu gehöre der Tod von „zu vielen unschuldigen Zivilisten“, sagte Harris. „Wir können angesichts dieser Tragödien nicht wegschauen. Wir können es uns nicht erlauben, angesichts des Leids gefühllos zu werden, und ich werde nicht schweigen.“

Dass Harris von einer schlimmen humanitären Krise im Gazastreifen und der Notwendigkeit gesprochen habe, den Krieg zu beenden, habe den Geiselverhandlungen geschadet, zitierten israelische Medien einen nicht genannten ranghohen israelischen Beamten.

Das Weiße Haus teilte mit, Biden habe bei seinem Treffen mit Netanjahu auf die Notwendigkeit hingewiesen, „die verbleibenden Lücken zu schließen, das Abkommen so schnell wie möglich abzuschließen, die Geiseln nach Hause zu bringen und ein dauerhaftes Ende des Krieges in Gaza zu erreichen“. Angehörige amerikanisch-israelischer Geiseln schöpften nach einem separaten Treffen mit Biden und Netanjahu neue Hoffnung.

Die derzeit stockenden Verhandlungen über eine Waffenruhe und die Freilassung der Geiseln sollen einem Medienbericht zufolge am Sonntag in Rom weitergehen. CIA-Direktor William Burns werde sich dort mit israelischen, katarischen und ägyptischen Verhandlern treffen, schrieb der gut vernetzte israelische Journalist Barak Ravid im US-Portal „Axios“ unter Berufung auf israelische und amerikanische Regierungsbeamte. Die USA, Katar und Ägypten vermitteln bei den indirekten Gesprächen zwischen Israel und der islamistischen Hamas.

Am Freitagabend deutscher Zeit traf auch Ex-US-Präsident Donald Trump mit Netanjahu zusammen. Dabei warnte Trump vor einem „dritten Weltkrieg“, sollten seine Republikaner nicht die Präsidentschaftswahl gewinnen. „Wenn wir gewinnen, wird alles ganz einfach. Dann klappt alles und ganz schnell“, sagte Trump, der Netanjahu und dessen Frau an seinem Anwesen in Florida empfing. „Wenn wir nicht gewinnen, gibt es große Kriege im Nahen Osten und vielleicht den dritten Weltkrieg.“

Das Treffen mit Trump war die letzte Station der USA-Reise Netanjahus. Der Empfang in Trumps Anwesen in Florida war herzlich. Auf einem von Netanjahu online veröffentlichten Foto hielt Trump eine Schildmütze mit der Aufschrift „Total Victory“ (vollständiger Sieg) – das erklärte Ziel Israels im Kampf gegen die Hamas. Im Gegensatz zu der Demokratin, die Netanjahu angesichts der humanitären Lage im Gazastreifen dazu aufgefordert hatte, mehr für eine Waffenruhe zu tun, stellte Trump keine öffentlichen Forderungen an Netanjahu.

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