Bizarre Szene in Wien: Das Innenministerium zeigt ein Foto des unter Terror-Verdacht festgenommenen IS-Anhängers. Er wollte Taylor-Swift-Fans töten. © Roland Schlager/dpa
Wien – Der Schock sitzt tief in Wien. Und nicht nur da. Die Terrorgefahr bei Großveranstaltungen ist wieder greifbar. Kurz vor der geplanten Tat hat die österreichische Polizei einen islamistischen Attentäter gestoppt, vielleicht ein Netzwerk ausgehoben. „Eine Tragödie konnte verhindert werden“, sagt Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) am Donnerstag vor den Kameras.
Welche Tragödie, wird in Umrissen erkennbar. Der 19-jährige Islamist Beran A. aus Ternitz (Niederösterreich), der am Mittwoch festgenommen worden war, plante im Umfeld des Taylor-Swift-Konzerts in Wien ein Blutbad. Das erste der drei wegen der Terrorgefahr abgesagten Konzerte hätte gestern Abend stattfinden sollen. Der junge Österreicher mit nordmazedonischen Wurzeln wollte demnach die „Swifties“ ohne Tickets, die außerhalb des Ernst-Happel-Stadions zuhören wollten, attackieren – mit laut Ermittlern funktionsfähigem Sprengstoff, zusammengebastelt nach Internet-Anleitungen. Aber auch mit Messern und Macheten, die in seinem Wohnhaus in Ternitz beschlagnahmt wurden, wollte er „so viele Menschen wie möglich töten“. Er selbst wollte als „Märtyrer“ sterben.
Der junge Mann, auf den die Behörden durch einen ausländischen Nachrichtendienst aufmerksam gemacht wurden, handelte nicht allein: Ein 17-jähriger Österreicher mit kroatischen und türkischen Wurzeln wurde als mutmaßlicher Mittäter am Stadiongelände festgenommen. Der 17-Jährige arbeitete für ein Unternehmen, das für das Swift-Konzert tätig war. Er verweigert bislang die Aussage. Die beiden hatten über Messenger-Dienste miteinander kommuniziert.
Bei Beran A. wurden neben den Hieb- und Stichwaffen, Sprengstoff und Zündern auch 21 000 Euro Falschgeld beschlagnahmt. Und der junge Islamist besaß ein einsatzfähiges Blaulicht. Offenbar wollten die Täter als vermeintliche Polizisten zum Tatort fahren oder von dort fliehen.
Der Bau der Bombe soll weit fortgeschritten gewesen sein. Die Chemikalien stahl der 19-Jährige von seinem Arbeitsplatz. Beide Terroristen hatten offenbar mit ihrem alten Leben abgeschlossen: Der 19-Jährige hatte am 25. Juli mit den Worten gekündigt, er habe noch Großes vor. Zudem habe er „sein Erscheinungsbild auffällig verändert und an den IS angepasst“, sagt der oberste Polizei-Chef Franz Ruf. Er habe bereits im Juni einen Treueschwur gegenüber dem IS per Video bei Tiktok hochgeladen. Reue zeige der Festgenommene nicht, sagt der Chef des österreichischen Verfassungsschutzes DSN, Omar Haijawi-Pirchner: „Er wurde deutlich radikalisiert und findet es richtig, ,Ungläubige‘ zu töten.“
Neben den beiden Terror-Verdächtigen wurde ein 15-Jähriger mit österreichischen und türkischen Wurzeln vernommen. Zudem gebe es weitere Personen aus dem Umfeld, die eingeweiht gewesen sein könnten, so die Ermittler.
Für die Fans ist die Konzertabsage natürlich bitter. „Sicherheit geht vor“ – so oder ähnlich äußern sich zwar viele in den Sozialen Medien. Gleichwohl sind viele Fans untröstlich. Eine deutsche Familie ist extra aus Kalifornien nach Wien geflogen, weil sie für die Tochter nur Karten für das dortige Swift-Konzert ergattern konnten. Die Tochter sei seit zehn Jahren treuester Swift-Fan und habe ein Jahr lang auf das Konzert hingearbeitet, berichtete die Mutter. Die Familie habe ihren ganzen Europatrip um das Konzert geplant und „tausende Euros für völlig überteuerte Hotels in Wien“ ausgegeben. Die Kosten für die Tickets werden erstattet, aber auf Hotel- und Flugkosten dürften die Anhänger, die keine Pakete gebucht haben, meistens sitzen bleiben.
Die Stadt Wien und ihre Wirtschaft bemüht sich, die angereisten Fans zu trösten. Wer ein Ticket vorzeigt, kann bei einem Edel-Burger-Laden einen Hamburger bekommen – gratis. Einige Lokale bieten den „Swifties“ kostenlose Getränke und Kaffee an. Wer sich für Kultur interessiert, kann mit dem Swift-Ticket umsonst in die berühmte Sammlung der Albertina. Und auf den Straßen, selbst vor dem Stephansdom, sieht und hört man Hunderte Swift-Fans gemeinsam Songs des US-amerikanischen Mega-Stars singen.
(MIT DPA)