Null Toleranz, 100 Prozent Erfolg? Die Münchner Polizei greift mit neuer Härte im Bahnhofsviertel durch. Hier, wo Gewalt und Drogen-Dealer gerade dabei waren (oder dabei sind?), das Territorium zu übernehmen, auf dem Weg zu einer Parallelwelt, in der man über Recht und Gesetz bestenfalls noch lächelt. Das mag übertrieben klingen, tatsächlich ist es noch nicht so weit – aber die Tendenz geht in diese Richtung. Das müssen wir mit vollem Bewusstsein zur Kenntnis nehmen – und dagegen müssen wir angehen.
Deswegen ist es richtig, dass die Polizei breite Brust und volle Konsequenz zeigt. Razzia am Nachmittag, öffentliche Dealer-Jagd im Park: Das braucht es genau in dieser Art und Weise. Denn: Rauschgifthändler und Gewalttäter müssen nicht nur wissen, dass wir ihre Verbrechen nicht dulden – sie müssen es auch spüren. So funktioniert Lernen, so verändert man Verhalten. Aber das ist nur ein kleiner Teil des Bildes.
Noch wichtiger als die Reaktion nach dem Problem wäre Weitsicht im Vorfeld – damit das Problem gar nicht erst entsteht. Konkret: Wer die Benko-Ruine gleich ums Eck, die mal der stolze Hertie war, vor sich hingammeln lässt, braucht sich nicht zu wundern, wenn erst die Ratten einziehen und dann die Dealer. Und wenn eine Bundesregierung wesentliche Teile ihrer Energie darauf verwendet, eine schon allein juristisch höchst umstrittene Cannabis-Legalisierung durchzudrücken: Dann ist es logisch, dass Drogen in der Wahrnehmung verrutschen. Es ist dann ja kein gefährliches Rauschgift mehr, sondern ein vermeintlich harmloser Spaß. Hier beginnt das Problem. Im Brennpunkt Alter Botanischer Garten hört es auf. Ulrich.Heichele@ovb.net