Die TV-Debatte wird auf vielen Ebenen ein Wendepunkt im US-Wahlkampf sein. Erstens treffen Kamala Harris und Donald Trump zum ersten Mal offiziell aufeinander – allein das macht das Duell schon historisch. Zweitens kann sich Harris nicht mehr vor dem Rampenlicht drücken: In diesem Wahlkampf hat sie erst ein einziges Interview gegeben; gerade mal 27 Minuten hat das Gespräch mit CNN gedauert, das selbst von Demokraten als ziemlich unspannend wahrgenommen wurde. Und drittens zeigen die jüngsten Erfahrungen, dass ein TV-Duell mal eben den kompletten Wahlkampf umkrempeln kann – nach der katastrophalen Performance von Joe Biden (die am Ende auch der letzte Schubser für seinen Rücktritt war) dürfte der Druck auf Harris besonders hoch sein.
Von Trump werden Lügen, persönliche Angriffe und irreführende Behauptungen erwartet – er wird damit kaum noch überraschen können. Die Frage ist vielmehr, wie Harris damit umgehen wird: Lässt sie sich von Schikanen aus der Ruhe bringen? Kontert sie mit präzisen Gegenschlägen? Es ist auch eine Chance für sie, endlich Inhalte zu liefern: Denn bislang beschränken sich ihre Wahlkampfthemen auf Abtreibungspolitik und darauf, dass Trump „weird“ (seltsam) ist. Wir sollten unsere Erwartungen allerdings nicht zu hoch schrauben. Sofern Harris besser als Biden abliefert (was zu erwarten ist), wird die Debatte wohl nicht allzu viel ausrichten. Wahlbeobachter in Washington gehen nicht davon aus, dass sich mit der TV-Debatte nun die entscheidenden Stimmen abjagen lassen. Kathrin.Braun@ovb.net