Hochspannung vor dem TV-Duell

von Redaktion

Das war das legendäre erste TV-Duell 2024 von Trump gegen Biden. Inzwischen hat Kamala Harris die Spitzenkandidatur der Demokraten übernommen. © Ross D. Franklin/dpa

Philadelphia – Kamala Harris’ Mitarbeiter ist für seine Rolle extra in einen weiten Anzug mit langer Krawatte geschlüpft. Fünf Tage lang hat er ihren Rivalen Donald Trump gespielt, zurückgezogen in einem Hotel in Pittsburgh. Sogar eine Bühne und Studiolichter waren organisiert. Es mag eine komische Vorstellung sein, wie ihr Berater versucht hat, die Schikanen und Angriffe in Trump-Manier zu imitieren – aber für die Vizepräsidentin waren diese Tage bitterer Ernst. Es waren die letzten Vorbereitungen für ihr TV-Duell mit dem republikanischen Präsidentschaftskandidaten, das heute Nacht (um 2 Uhr morgens deutscher Zeit) ausgestrahlt wird.

Zum ersten Mal treffen Donald Trump und Kamala Harris persönlich aufeinander. Zig Millionen US-Amerikaner werden den Schlagabtausch in Philadelphia beim Sender „ABC News” live mitverfolgen. Die „New York Times” hat vorab mit fast zwei Dutzend Personen gesprochen, die den beiden Kandidaten nahestehen. Demnach sollen Verbündete Trump diesmal dazu gedrängt haben, als „freundlicher Trump” statt als „gemeiner, tyrannischer Trump” aufzutreten – anders als zum Beispiel während der Debatten 2016 mit der damaligen demokratischen Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton. Damals hatte Trump Clinton mit persönlichen Angriffen verspottet und war ihr sogar körperlich bedrohlich nahe gekommen. Erst kürzlich hat Clinton Harris noch mal vor Trumps üblen Tricks gewarnt.

Ziel der Trump-Kampagne sei nun aber laut seinen Beratern eher, Harris in der Debatte zu einem heiklen Balanceakt zu zwingen: Einerseits müsse sie ihre Loalität gegenüber Präsident Joe Biden beweisen, im Umkehrschluss aber auch für Fehler aus seiner Amtszeit geradestehen. Trump wolle hier vor allem hohe Lebenshaltungskosten, Einwanderung, öffentliche Sicherheit und das „Chaos in der Welt” (Ukraine und Nahost) ansprechen.

Auch Harris soll ihre ganz eigene Strategie entwickelt haben: Nachdem sich Biden bei dem letzten (für ihn katastrophalen) TV-Duell darauf konzentriert hatte, Trump als eine Gefahr für die Demokratie darzustelllen und Clinton immerzu Trump als Frauenfeind und Rassist angeprangert hatte, will sich Harris nun von ihren Vorgängern distanzieren. Ihre Berater sind wohl der Meinung, dass es Zeitverschwendung sei, den Wählern weismachen zu wollen, was für ein „schlechter Mensch“ Trump sei. Stattdessen solle sie speziell eine kleine Gruppe unentschlossener Wähler ansprechen, die mit der Wirtschaft unzufrieden sind und sorgenvoll in die Zukunft blicken: Von ihr wird nun erwartet, sich als Kandidatin darzustellen, die sich um die Probleme des einfachen Bürgers kümmert.

In der Wählergunst liegt Harris praktisch gleichauf mit Trump. Die jüngste von der „New York Times“ (NYT) und dem Siena College veröffentlichte Erhebung zeigt aber auch, dass die Zustimmung für den 78-jährigen Rechtspopulisten recht stabil ist und der Aufschwung für Harris ins Stocken geraten sein könnte. Die zwischen dem 3. und 6. September erstellte Umfrage ermittelte landesweit für Trump 48 Prozent der Stimmen, für Harris 47 Prozent, nachdem sie in den Wochen zuvor teils bis zu zwei Prozentpunkte vor dem Republikaner gelegen hatte. Auch ergab die Umfrage, dass viele Wähler (28 Prozent) noch genauer wissen wollen, wofür Harris steht.

Die Regeln für das TV-Duell werden weitgehend die gleichen sein wie bei der CNN-Debatte zwischen Trump und Biden am 27. Juni. Die Duellanten dürfen keine Notizen mit an ihre Redepulte nehmen und das Mikrofon jenes Teilnehmers ist stummgeschaltet, der gerade nicht an der Reihe ist. Für ihre Antworten haben die Kandidatin und der Kandidat zwei Minuten Zeit, zwei Minuten werden dann für eine Replik zugestanden. Zuschauer wird es nicht im Raum geben.

„Das sind zwei sehr unterschiedliche Kandidaten, die sich zuvor noch nie persönlich begegnet sind“, sagt die Kommunikationswissenschaftlerin Erin Christie von der Universität Rutgers. „Diese Debatte wird vielleicht entscheidend für die Wahl.“ Beim Duell Trump-Biden sahen 51,3 Millionen Menschen zu, diese Zahl dürfte aktuell noch übertroffen werden.
(MIT AFP)

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