Lambrecht: „Stöckelschuhe in Absurdistan“

von Redaktion

Christine Lambrecht war Verteidigungsministerin. © dpa

München/Berlin – Eigentlich sollte Christine Lambrecht (SPD) die Ministerin der Zeitenwende werden. Als Olaf Scholz kurz nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine einen Paradigmenwechsel in der deutschen Sicherheitspolitik ausrief und der Bundeswehr 100 Milliarden Euro zusagte, hätte Lambrechts Glanzmoment kommen können. Doch stattdessen erregte sie Aufsehen mit Kontroversen, die sich vor allem um ihre Person drehten. Auf ein missglücktes Neujahrs-Video Anfang 2023 folgte schließlich ihr Rücktritt: Mit Raketen-Geböller im Hintergrund hatte sich Lambrecht darin für die vielen tollen Eindrücke bedankt, die sie im Jahr 2022 gewinnen durfte, insbesondere in der Ukraine.

Mit ihrem Rücktritt hatte die inzwischen 59-Jährige die politische Bühne eigentlich verlassen. Doch seit vergangenem Donnerstag macht Lambrecht wieder von sich reden. Auf ihrem Instagram-Profil veröffentlichte sie ein Bild. Locker und légère sitzt sie im Freien an einem Laptop. Im Hintergrund die grünen Hügel ihres vermutlich italienischen Domizils. In der Bildbeschreibung schreibt Lambrecht: „Ich werde oft gefragt, was ich denn so mache. Für alle, die es interessiert: Ich schreibe an meinem Buch ‚Auf Stöckelschuhen durch Absurdistan‘.“

Lambrechts Stöckelschuhe hatten in ihrer Minister-Zeit schon fast Kult-Status erreicht. Bei vielen öffentlichen Auftritten erschien sie auf Pumps. Bei einem Truppenbesuch in Mali im April 2022 wurde ihr das zum Verhängnis. Als die Verteidigungsministerin mit Schussweste und hohen Absätzen aus der Bundeswehrmaschine stieg und durch den Wüstensand des Feldlagers stapfte, hagelte es Kritik. Die Soldaten empfanden Lambrechts Auftritt als unpassend. Schließlich verstieß die Oberbefehlshaberin gegen ihre eigene Vorschrift: Bei Auslandseinsätzen sind geschlossene Schuhe zu tragen.

Der Stöckelschuh-Auftritt reihte sich ein in eine lange Serie von Peinlichkeiten. So soll Lambrecht bei ihrem Amtsantritt gefragt haben, ob sie sich wirklich alle Dienstgrade merken müsse. In der öffentlichen Wahrnehmung entstand zunehmend der Eindruck, dass Lambrecht von der Bundeswehr wenig verstehe. Auch als sie ihren Sohn auf einem dienstlichen Hubschrauber-Flug mit nach Sylt nahm, sorgte Lambrecht für Zorn.

Ihre Buchankündigung weckt in der SPD unterdessen die Befürchtung, Lambrecht könnte mit der Partei abrechnen. Nach dem Wahldebakel in Sachsen und Thüringen und der anstehenden Wahl in Brandenburg könnten die Genossen wohl eher Rückendeckung von der Ex-Ministerin gebrauchen.
MAYANK SHARMA

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