Ein Wohnhaus in Ramenskoje, außerhalb von Moskau, wurde durch den Drohnenangriff schwer beschädigt. © dpa
Moskau – Bei ukrainischen Angriffen mit mehr als 140 Drohnen ist nach russischen Angaben eine Frau in der Region Moskau getötet worden. Regionalgouverneur Andrej Worobjow erklärte im Onlinedienst Telegram, die 46-Jährige sei gestorben, nachdem eine Drohne ein Wohnhaus in Ramenskoje am südöstlichen Stadtrand getroffen habe. Der Kreml sieht sich in seinem Kriegskurs bestätigt. „Wir müssen die militärische Spezialoperation fortführen, um uns vor solchen Erscheinungen zu schützen“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. Obwohl es in der Ukraine fast täglich zivile Opfer durch russische Drohnen- oder Raketenattacken gibt, kennzeichnete Peskow den tödlichen ukrainischen Angriff als „Wesen des Kiewer Regimes“.
Das russische Verteidigungsministerium meldete den Abschuss von insgesamt 144 Drohnen über den Gebieten Belgorod, Brjansk, Kursk, Orjol, Woronesch, Lipezk, Kaluga, Tula und der Region Moskau. Die Ukraine greift immer wieder auch russisches Gebiet mit Drohnen und Raketen aus eigener Produktion an, um dort den militärischen Nachschub zu stören. Kiew weist den Vorwurf zurück, dabei auch zivile Ziele anzugreifen.
Russland beschießt wiederum regelmäßig das Hinterland des Nachbarn und zielt dabei vorrangig auf die Energieversorgung der Ukraine. Durch die systematische Zerstörung von Kraft- und Umspannwerken ist das Energienetz der Ukraine labil. Die Menschen müssen oft stundenlang ohne Strom auskommen. Auch die Ukraine zielt inzwischen mit ihren Drohnenangriffen nicht nur auf rein militärische Objekte. Oft visiert sie auch Raffinerien an, die für die Kraftstoffversorgung der russischen Armee wichtig sind, oder andere wichtige Infrastrukturanlagen.
Peskow äußerte sich auch zu Informationen, nach denen die in dem Konflikt immer wieder als Vermittlerin auftretende Türkei Russland zuletzt Vorschläge der Ukraine übergeben habe, keine Energieanlagen, darunter auch Atomanlagen, und keine zivilen Schiffe mehr anzugreifen. Zuvor hatte der frühere Verteidigungsminister Sergej Schoigu, der nun Sekretär des Sicherheitsrates ist, erklärt, dass Kremlchef Wladimir Putin damit einverstanden gewesen sei. Peskow betonte nun, dass solche Verhandlungen schwer vorstellbar seien, solange die Ukraine Teile des russischen Gebietes Kursk besetzt halte.
Schoigu wiederum schloss Friedensverhandlungen ohne einen Abzug ukrainischer Truppen aus russischem Gebiet aus: „Solange wir sie nicht aus unserem Territorium geworfen haben, werden wir natürlich keine Gespräche über Verhandlungen mit ihnen führen.“ Den Angriff auf die Region Kursk hält Schoigu für einen Versuch, Russland zu Verhandlungen zu Bedingungen der Ukraine sowie zum Abzug russischer Kräfte aus dem Donbass zu zwingen.
Die Ukraine hat Regierungsangaben zufolge ihre Waffenproduktion in diesem Jahr deutlich gesteigert. In den ersten acht Monaten sei sie „im Vergleich zu 2023 verdoppelt“ worden, sagte Regierungschef Denys Schmygal. Man plane, bis Jahresende insgesamt mehr als eine Million Drohnen zu bauen.