KOMMENTAR

Das Verbrechen und sein Nährboden

von Redaktion

Kriminalität an Bahnhöfen

Es geht um brutalste Gewalt. Um Raub, um Drogendelikte und Vergewaltigung. All das geschieht an unseren Bahnhöfen – und aktuelle Zahlen zeigen, dass sich die Lage trotz aller Bemühungen von Polizei und Sicherheitsbehörden nicht entspannt. Wir reden allein in der Stadt München von Tausenden Straftaten pro Jahr an den Bahn-Stationen (und das sind nur die registrierten).

Allerdings: Aus dieser Perspektive sehen wir ohnehin nur ein Schlaglicht vorbeiwischen. Es sind nur die giftigen Auswüchse, die aus einem problematischen Nährboden sprießen. Ein Gang durchs Münchner Bahnhofsviertel reicht schon aus, um das zu sehen

Zwischen Benkos Ruinen und der Endlos-Bahnhofs-Baustelle wohnt das Elend. Bettler und Trinker gehören zum Straßenbild, die Drogen-Szene scheut sich nicht vor Deals in der Öffentlichkeit. Dass ein Supermarkt im Bahnhof sich genötigt sieht, einen privaten Sicherheitsdienst einzusetzen, sollte uns Warnsignal genug sein. Es gilt die alte Devise: Wehret den Anfängen! Gemeint ist damit nicht vor allem die Polizei, sondern die Politik als Regelsetzer und die Bahn als Hausherr.

Denn wer (zum Beispiel) den kleinen Drogen-Deal nicht duldet, der schafft eine saubere Umgebung. Eine Umgebung, die eben keinen Nährboden für heftige Folgekriminalität bietet.
ULRICH.HEICHELE@OVB.NET

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