Israel weist Aufruf zur Waffenruhe zurück

von Redaktion

Netanjahu erteilt den Befehl, Angriffe auf den Libanon „mit voller Kraft“ fortzusetzen

Das getroffene Areal in der libanesischen Stadt Saksakiyeh: Alles ist von Trümmern übersät. © Mahmoud Zayyat/AFP

Tel Aviv – Israel hat dem Aufruf mehrerer Staaten zu einer 21-tägigen Waffenruhe im Konflikt mit der proiranischen Hisbollah-Miliz im Libanon eine Absage erteilt. Regierungschef Benjamin Netanjahu wies seine Armee am Donnerstag an, die Kämpfe „mit voller Kraft“ fortzusetzen. Sein Außenminister Israel Katz erklärte im Onlinedienst X, „bis zum Sieg“ und der sicheren Rückkehr der Bewohner von Nordisrael werde es keine Waffenruhe geben. Die Armee griff eigenen Angaben zufolge in der Nacht 75 Ziele der Hisbollah im Libanon an.

In einer Erklärung von Netanjahus Büro hieß es, der Ministerpräsident habe auf den Vorschlag für eine Waffenruhe „nicht einmal geantwortet“. Er habe das Militär angewiesen, „die Kämpfe mit voller Kraft“ fortzusetzen. Bereits zuvor hatte der rechtsextreme Finanzminister Bezalel Smotrich die Waffenruhe auf X mit den Worten abgewiesen: „Die Kampagne im Norden sollte mit einem einzigen Ergebnis enden: der Zerschlagung der Hisbollah und der Beseitigung ihrer Fähigkeit, den Bewohnern des Nordens zu schaden.“

Nach Tagen intensiver Kämpfe zwischen der Hisbollah und Israel hatten Frankreich und die USA am Mittwoch einen Vorschlag für eine 21-tägige Waffenruhe vorgelegt. Zahlreiche weitere Staaten schlossen sich der Forderung an. „Es ist an der Zeit, eine diplomatische Lösung zu finden“, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung der USA, der EU, Deutschlands, Saudi-Arabiens und weiterer Staaten. Die Situation sei „unerträglich“.

Ungeachtet dessen setzte die israelische Armee ihre Angriffe fort. In der Nacht zu Donnerstag wurden den Angaben zufolge „rund 75 Terror-Ziele“ in der Bekaa-Ebene im Osten des Landes sowie im Süden getroffen, darunter „Waffenlager, schussbereite Raketenwerfer“ und andere Infrastruktur sowie Kämpfer. Bei einem Angriff in der Nähe der antiken Stadt Baalbek kamen nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums mindestens 20 Menschen ums Leben. Die staatliche Nachrichtenagentur NNA bezeichnete die nächtlichen Angriffe als die „heftigsten“ der vergangenen Tage.

Bei einem gezielten Luftangriff tötete die israelische Armee nach eigenen Angaben einen weiteren Hisbollah-Kommandeur. Kampfflugzeuge hätten aufgrund präziser Geheimdienstinformationen den Befehlshaber der Hisbollah-Drohneneinheit „ins Visier genommen und eliminiert“. Aus Hisbollah-Krisen war zuvor verlautet, der Kommandeur der Drohneneinheit der Miliz, Mohammed Srur, sei Ziel eines israelischen Angriffs gewesen. Dabei war zunächst allerdings offen geblieben, ob der auch unter dem Kampfnamen Abu Saleh bekannte Srur den Beschuss überlebt hatte.

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