Reul: Deutsche Drogenpolitik heizt Gewalt an

von Redaktion

Düsseldorf – Es geht um Drogen, Macht, Gewalt: Sprengstoffanschläge und Morde erschüttern die Niederlande seit Jahren. Dahinter stecken Banden, die Geschäfte im großen Stil mit Kokain, Crack und Marihuana machen. Seit Wochen gibt es auch in Nordrhein-Westfalen immer wieder Explosionen. NRW-Innenminister Herbert Reul erklärt im Interview die Hintergründe.

Können Sie sich erklären, warum die niederländische sogenannte Mocro-Mafia hierzulande derart brutal vorgeht?

In den Niederlanden hat es im Drogenmilieu immer schon sehr starke Gewalt gegeben. Bei uns in dem Maße bislang nicht. Offensichtlich verlagert sich das jetzt, weil ein neuer Markt erschlossen werden soll. Diese Gewalt schwappt aus den Niederlanden nach Deutschland über.

Gibt es dafür aus Ihrer Sicht einen konkreten Anlass?

Konkret ist Rauschgift abhandengekommen. Die niederländischen Drogenbanden haben gesagt: Das lassen wir uns nicht gefallen, da setzen wir ein Zeichen. Und dabei wenden sie dieselben brutalen Methoden wie in den Niederlanden an. Das ist für uns total neu. Aber die Sicherheitsbehörden haben schnell durchgegriffen, inzwischen sitzen 13von diesen Typen hinter Gittern. Bei einigen Fällen, etwa bei den Schüssen auf ein Geschäft in Köln, wissen wir noch nicht, ob dabei auch die Niederländer involviert sind. Solche Vorfälle kennt man auch aus dem Rockermilieu, Gewalt hat es bei den Banden immer gegeben. Wir sehen aber jetzt eine andere Art von Brutalität. Das ist ein generelles Problem. Man darf aber auch nicht alle Fälle durcheinanderbringen und wild spekulieren. Die Ermittler arbeiten das gerade auf.

Hat die Cannabis-Legalisierung in Deutschland etwas mit den neuen Aktivitäten niederländischer Drogenbanden hier zu tun?

Die Niederlande haben seit den 1980ern eine liberale Drogenpolitik betrieben, mit dem Ergebnis, dass es dort auf den Straßen und Plätzen lauter und gewalttätiger geworden ist. Das ist Fakt. Jetzt haben auch wir in Deutschland Cannabis legalisiert, und das ist eine Riesenchance für niederländische Drogenbanden, hier einen ganz neuen Markt zu erschließen. Insofern gibt es da einen Zusammenhang zwischen Legalisierung und der Gewalt, ja.

Kommt es bald öfter zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen den niederländischen und einheimischen Banden ?

Das kann man nicht ausschließen. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass die Niederländer, die hier jetzt die Möglichkeit sehen, viel Geld zu verdienen, sagen: Wir lassen das jetzt und gehen friedlich wieder zurück. Auseinandersetzungen zwischen einheimischen und niederländischen Banden sind durchaus denkbar, aber das ist Spekulation. Klar ist: Würde es nicht die erhöhte Nachfrage durch die Cannabis-Legalisierung geben, wäre der Markt nicht so gewachsen.

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