Der Ärger um Herrmanns Salafisten-Video

von Redaktion

Ausschnitt aus dem Video: In diesem Rachen verschwindet die Muslimin.

München – Das waren teure 30 Sekunden: Für 140 000 Euro hat Bayerns Innenministerium eine Kampagne und ein offenkundig grob mangelhaftes Kurzvideo zur Warnung vor salafistischen Hasspredigern in Auftrag gegeben – und die Verbreitung nach wenigen Stunden wieder gestoppt. Diese Zahlen haben die Landtags-Grünen per Anfrage an die Staatsregierung ermittelt. Und machen Innenminister Joachim Herrmann (CSU) nun den Vorwurf, schlecht geplant und gearbeitet zu haben.

Das Video war Anfang September kurz auf „X“ erschienen. Die Zielrichtung ist klar: Vor allem junge Leute sollen vor dem Verhetzungspotenzial durch islamistische und salafistische Hassprediger gewarnt werden. Die Umsetzung wurde jedoch als arg grobschlächtig, simplifizierend und verallgemeinernd empfunden. Das animierte Video zeigt, wie eine junge Frau einen Smartphone-Clip eines Predigers mit Gebetskappe anschaut. Eingeblendet wird die Frage: „Dürfen sich Musliminnen schminken?“ Zu hören sind düstere Klänge und ein boshaftes Lachen. Das Gesicht des Predigers wird zur Fratze, die Frau verschwindet in seinem Rachen. Sekunden später ist die Frau mit Vollverschleierung zu sehen. Schließlich laufen ihr in dem Video beim Putzen in der Küche Tränen aus den Augen. „Die Salafismus-Falle“ mit dem Untertitel „Es geht schneller als Du denkst“ wird in Großbuchstaben eingeblendet, dann ein Link zu einer Präventionskampagne.

Das Innenministerium reagiert vergleichsweise zerknirscht. Man habe auf kursierende „Prediger-Stereotypen“ gesetzt. „Da die im Video gewählte Bildsprache bei vielen Usern den nicht gewollten Eindruck erweckt hat, die Kampagne würde sich generell gegen Muslime richten, hat das Ministerium die Kampagne umgehend gestoppt und wird sie überarbeiten“, heißt es in der Antwort auf die Fragen des Grünen-Innenpolitikers Florian Siekmann. Minister Herrmann habe sich dafür auch vor einem Monat öffentlich entschuldigt. Ohnehin sei das Video „versehentlich verfrüht“ geschaltet worden.

Eingebunden in die Kampagne (Zielgruppe: Elf- bis 24-Jährige) waren die Ministeriums-Fachleute, das Landeskriminalamt und der Verfassungsschutz. Die Grünen werfen Herrmann vor, das genüge nicht. „Es war ein schwerer strategischer Fehler des CSU-Innenministers, eine Kampagne gegen Salafismus ohne Einbeziehung der liberalen muslimischen Community aufzusetzen“, sagt Siekmann unserer Zeitung. Er hatte schon beim ersten Auftauchen des Videos gewarnt: „Wir brauchen geschickte Gegenmaßnahmen statt plumpe Vorurteile, die salafistische Opfererzählungen nur noch verstärken.“

Die Grünen setzen im Landtag nun eine Anhörung mit Experten an. Thema voraussichtlich Anfang Dezember sollen die islamistische Bedrohungslage in Bayern und die Online-Radikalisierung sein.
CD

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