Berlin – Angesichts der anhaltenden Debatte über die SPD-Kanzlerkandidatur bemühen sich führende Parteimitglieder um eine Eindämmung. Es gebe im Parteivorstand „keine Debatten“ zur Kanzlerkandidatur, behauptete die Vorsitzende Saskia Esken in der ARD. Vorstandsmitglied Sebastian Roloff warnte im „Handelsblatt“ vor negativen Auswirkungen auf den Wahlkampf. Beide stellten sich klar hinter Kanzler Olaf Scholz als Kandidaten. Andere nicht.
Am Wochenende hatten sich erstmals SPD-Abgeordnete dafür ausgesprochen, statt auf Scholz auf Verteidigungsminister Boris Pistorius als Kanzlerkandidaten zu setzen. Pistorius hat sehr viel bessere Umfragewerte als Scholz. Im neuen Politikerranking von Insa rutscht Scholz sogar vom 19. auf den 20. und letzten Platz. An der Spitze steht hingegen Pistorius.
Esken sagte über Scholz: „Er ist unser Kanzler und unser Kanzlerkandidat.“ Ein vorzeitiger Beschluss des Parteivorstands zur K-Frage sei „nicht unbedingt notwendig“, weil die Sache „so klar ist“. Die Vorsitzenden der NRW-Landesgruppe in der SPD-Fraktion, Wiebke Esdar und Dirk Wiese erklärten hingegen, es gebe in der SPD „viel Zuspruch für Boris Pistorius“. Im gemeinsamen Statement heißt es: „Letztlich entscheiden die Parteigremien über die Frage der Kanzlerkandidatur, das ist auch der richtige Ort dafür.“ Die Wortmeldung ist auch deshalb brisant, weil beide Abgeordnete Vorsitzende der mächtigen Strömungen innerhalb der SPD-Fraktion sind: Esdar ist Sprecherin der Parlamentarischen Linken, Wiese des konservativen Seeheimer Kreises. Weitere SPD-Bundestagsabgeordnete forderten eine schnelle Entscheidung. Der Abgeordnete Axel Schäfer vom linken Parteiflügel sagte dem „Stern“, die Parteispitze solle „jetzt die Kanzlerkandidatur von Olaf Scholz rasch beschließen“. Auch der Wirtschaftsexperte Bernd Westphal sagte dem Magazin, die SPD-Spitze solle „noch in diesem Jahr“ Klarheit schaffen.
Auch Juso-Chef Türmer sieht die K-Frage offen. „Man krönt sich nicht als Kanzler selbst zum Kandidat, sondern das ist eine Entscheidung der Partei und ihrer Gremien“, sagte er.