Sieht sich klar im „Team Habeck“: Dieter Janecek (re.) mit seinem Wirtschaftsminister bei einem Termin auf dem Münchner Marienplatz. © fkn
München – Kandidaturen via Video liegen bei den Grünen gerade im Trend. Der frisch gebackene Kanzlerkandidat Robert Habeck meldete seine Ambitionen in einer Küche an. Und auch Dieter Janecek lädt am Montagabend in den sozialen Netzwerken einen Clip hoch. Er sitzt nicht ganz so stylisch in einem Berliner Büro, den Reichstag im Hintergrund. Dass der 48-Jährige, der von 2008 bis 2014 auch Landesvorsitzender der Partei war, wieder in seinem Münchner Wahlkreis antritt, überrascht nicht (2021 fehlten ihm nur 137 Stimmen). Schon eher, dass Janecek auch nach dem Spitzenplatz auf der bayerischen Landesliste greift. Dabei dürfte es zur offenen Kampfkandidatur mit Toni Hofreiter kommen. Dieser war gestern zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.
Hier der Ober-Realo Janecek aus München, der als einer der wenigen Bayern ein (nicht allzu glamouröses) Regierungsamt in Berlin innehat: Koordinator der Bundesregierung für die maritime Wirtschaft und Tourismus. Dort der Linke Toni Hofreiter (54), der zwar deutlich bekannter ist und in den vergangenen drei Jahren kaum eine Talkshow ausließ, aber vermutlich viel lieber regiert hätte. Acht Jahre lang hatte er die Fraktion im Bundestag geführt, doch als es 2021 an die Verteilung der Ministerposten ging, setzte die Grünen-Spitze lieber auf andere Vertreterinnen vom linken Flügel.
Das Duell ist nicht unbedingt eine Richtungsentscheidung zwischen Realos und Linken, selbst wenn sich Janacek klar als „Team Habeck“ positioniert. Denn Hofreiter hatte zuletzt eher mit harten Positionen überrascht, vor allem sein Bestehen auf die Lieferung von schweren Waffen an die Ukraine kam nicht bei allen in einer Partei gut an, die pazifistische Wurzeln hat. Manche ärgerte auch, wie Hofreiter vorging: Viele Vorstöße waren nicht abgesprochen. Einige vermuten persönliche Verärgerung als Motiv, weil er keinen Ministerposten bekommen hatte. Vielleicht gibt es auch deshalb sogar im Wahlkreis einen Gegenkandidaten für Hofreiter.
Bei Janecek verlief die Karriere eher gegenläufig. Der 48-Jährige galt früher als Rebell, inzwischen vertritt er treu die Habeck-Linie. Einst lief er im grell-grünen Fahrrad-T-Shirt durch München, heute mehren sich Fotos mit Anzug und Krawatte. „Ich bewerbe mich mit meiner Regierungserfahrung“, sagt er.
Am 30. November wollen die Oberbayern ihre Reihung aufstellen, das dürfte schon die Vorentscheidung sein für die landesweite Liste, die am 14./15. Dezember festgezurrt werden soll. Dabei könnte es hart zur Sache gehen: Aktuell gibt es 19 Abgeordnete aus dem Freistaat, auch dank Überhangmandaten. Diese fallen künftig weg, dazu kommen die schlechten Umfragewerte. In der Partei geht man von der Faustformel aus: ein Mandat pro Prozent. Bei aktuell zehn Prozent würde sich die Anzahl der bayerischen Sitze quasi halbieren. Bislang kommen fast 50 Prozent von ihnen aus Oberbayern.
Es wird also eng. Deshalb rechnet man in der Partei mit vielen Kampfkandidaturen. Bei den Frauen in Oberbayern gilt die Münchnerin Jamila Schäfer (31) als unumstritten. Sie gewann als einzige Grüne in Bayern 2021 ihr Direktmandat (München-Süd). Die Sprecherin der Landesgruppe könnte auch bayernweit ganz vorne stehen, vorausgesetzt Kulturstaatsministerin Claudia Roth überlässt ihr den Platz. Die Augsburgerin will dem Vernehmen nach auch mit 69 Jahren noch einmal antreten.
Dahinter gibt es vor allem unten den Frauen Bewegung: Beate Walter-Rosenheimer (FFB) und Saskia Weishaupt (München) treten nicht mehr an. Dafür bewerben sich Verena Machnik (45) aus Berg im Wahlkreis Starnberg/Landsberg und Britta Jacob (43), die aus Niederbayern stammt, in Berlin lebt, aber im Wahlkreis Fürstenfeldbruck/Dachau kandidiert.