Athen – Ein 24-stündiger Generalstreik hat am Mittwoch das öffentliche Leben in Griechenland weitläufig zum Erliegen gebracht. Dicht blieben Ämter, Behörden sowie Schulen, Krankenhäuser boten bloß einen Notdienst an, mit Haltetauen wurden die Passagier- und Autofähren an den Pollern im Kai festgemacht. Metro, Busse und Bahnen streikten in den Stoßzeiten und fuhren nur, um die Menschen zu den Demos zu bringen. Supermärkte und Tavernen blieben hingegen geöffnet. Zur Arbeitsniederlegung hatten die Dachgewerkschaft der Privatangestellten (GSEE) und der Beamten (ADEDY) sowie zahlreiche Berufsverbände aufgerufen.
Der Streikaufruf fiel auf fruchtbaren Boden. An den Protestkundgebungen nahmen in den Großstädten Athen, Thessaloniki und Patras Zehntausende teil. In Sprechchören und auf Transparenten forderten sie sofortige reale Lohnsteigerungen, die Ausweitung der Tarifverträge, einen Steuerfreibetrag bis 12 000 Euro sowie die Besetzung Tausender vakanter Stellen in Krankenhäusern und Schulen. Seit Beginn des rigorosen Sparkurses 2010 sind die Löhne und Gehälter nominal gefallen. Billige Arbeit soll Griechenland im Euro-Raum wettbewerbsfähiger machen. Betrug das Jahresgehalt für einen Vollzeitjob 2010 im Schnitt 20 722 Euro brutto, sank es bis 2023 auf 17 013 Euro brutto – minus 3709 Euro. Wer einen Vollzeitjob hatte, hatte 2023 nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben im Schnitt also 1027 Euro netto im Monat in der Tasche. Ein Viertel der Angestellten haben Teilzeitjobs, 425 Euro netto pro Monat. Damit kommt man kaum über die Runden. Denn die Inflation beläuft sich seit 2020 auf kumuliert knapp 20 Prozent. Die Lebensmittel verteuerten sich seither um fulminante 32 Prozent, Wohnen ist 25 Prozent teurer.
FERRY BATZOGLOU