KOMMENTAR

Ein Häuchlein von Selbstkritik

von Redaktion

Merkels Memoiren

Ein Hauch von Selbstkritik, ein Häuchlein wenigstens? Zumindest deutet Angela Merkel in ihrer Autobiografie an, dass ihre Putin-Politik der Ukraine nicht geholfen und die russische Kriegslust nicht gebremst hat. Das ist eine recht banale Erkenntnis angesichts des Ausmaßes, in dem die Altkanzlerin im Umgang mit Russland – auch wirtschafts- und energiepolitisch – gescheitert ist.

Nein, Merkels Memoiren sind kein Akt der Selbstgeißelung, sondern der Versuch, die eigene Politik besser als zu ihren Amtszeiten zu erklären und ihr Bild in den Geschichtsbüchern wieder etwas aufzuhübschen. Beides ist nötig, denn in erheblichen Teilen der Bevölkerung (und auch der CDU) hat sich ein harsches Urteil festgesetzt. Merkels ungesteuerte Migrationspolitik war fatal. Nichts hat dem Land in den letzten Jahren so geschadet wie der staatliche Kontrollverlust ab 2015, der in Teilen noch andauert. Gleichzeitig wurde zu wenig angepackt, erneuert, investiert, gewagt: Merkels Beständigkeit und Ruhe haben als Schattenseite leider eine lähmende Bräsigkeit mit sich gebracht.

„Sie hat nicht alles falsch gemacht“, ist ein Urteil, das ihr selbst historisch gewiss nicht genügen würde, auf das sich moderatere Merkel-Kritiker aber verständigen könnten. Sollten ihre Memoiren zu einem differenzierten Bild ihrer 16 Regierungsjahre etwas beitragen, sei es ihr gegönnt.
CHRISTIAN.DEUTSCHLAENDER@OVB.NET

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