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Wo bleibt der Respekt, Kanzler?

von Redaktion

Olaf Scholz will nicht weichen

Das hatte der Kanzler sich schlau ausgedacht. Auf einer Welle der Wut über die treulose FDP wollte er bei der Bundestagswahl zurück ins Kanzleramt surfen. Akt eins – der nur scheinbar spontane „Christian-Lindner-hat-mich-verraten“-Auftritt des zornbebenden Olaf Scholz vor zwei Telepromptern – klappte noch wie am Schnürchen. Es folgte Akt zwei – die zeitgleich platzierten „Enthüllungsstorys“ zweier linker Leitmedien über den angeblich von langer Hand geplanten liberalen Ampel-Bruch, gefolgt vom dramatischen „ehrlos“-Vorwurf Mützenichs an den FDP-Chef. Das hinterließ bei manchen noch Eindruck, auch wenn die Geschichte verlogen war: Wie sonst außer zweigleisig hätten die Liberalen fahren sollen, da lange unklar blieb, wie die Ampel-Partner auf Lindners ultimatives Wirtschaftspapier reagieren würden? Doch im dritten Akt entgleiste das Drehbuch dem Kanzler, als plötzlich weniger schauspielbegabte SPD-Darsteller die Bühne betraten und fragten, warum man statt mit dem laut Umfragen beliebtesten deutschen Politiker ausgerechnet mit dem unbeliebtesten in die Wahlschlacht ziehen sollte. Und plötzlich stand Kaiser Olaf nackt da. Und mit ihm die komplette SPD-Führung.

Fieberhaft beraten die roten Granden, wie es in ihrem Hühnerhaufen weitergehen soll, spätestens auf ihren Gremiensitzungen am Montag soll ein Kanzlerkandidat präsentiert werden. Doch wird der Scherbenhaufen mit jedem Tag, an dem der Kanzler nicht freiwillig zurückzieht, höher. Der Schaden ist schon jetzt nicht mehr zu reparieren. Was die SPD gerade abliefert, ist eine peinliche Kopie des Laschet-Söder-Unionsstreits. Der führte CDU und CSU vor vier Jahren bekanntermaßen schnurstracks in die Wahlkatastrophe.

„Respekt“ ist das Lieblingswort von Scholz, damit hat er vor drei Jahren die Wahl gewonnen. Doch wo bleibt der Respekt des Kanzlers vor seiner Partei und ihren Wählern? Und wo die „Ehre“ der Sozialdemokraten, die sich nicht zu schade sind, in AfD-Manier einen politischen Mitbewerber verächtlich zu machen, ja einen Vernichtungsfeldzug gegen ihn zu führen, obwohl der sich selbst drei Jahre in der Ampel erniedrigt hat, so dass Scholz Regierungschef bleiben konnte? Die Deutschen sind mit ihrem Kanzler durch. Muss erst noch die SPD kaputt gehen, damit der ewige Besserwisser das endlich versteht?
GEORG.ANASTASIADIS@OVB.NET

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