Die Tränen spürt man noch in den Augen, wenn man an Notre-Dame de Paris und die Bilder denkt, die am 15. April 2019 über die Bildschirme flimmerten. Flammen schlugen aus dem Herzen Frankreichs. Es schien verloren zu sein. Allein dass es nicht total vernichtet und danach nie aufgegeben wurde, war schon ein Wunder. Jetzt kommen einem Freudentränen, da zu sehen ist, wie wunderbar die Kathedrale (1163-1345) restauriert worden ist. Das Herz wurde geheilt.
Solch einen Trost, den wir anfassen, in den wir – egal welcher Religion wir angehören – hineingehen können, empfinden wir in diesen aggressiven Zeiten besonders stark. Sicher, Notre-Dame ist ein Sinnbild unseres westlichen Nachbarlandes, ist ein Symbol für die geistigen Grundlagen Europas, der Bau ist jedoch über all das hinausgewachsen. Heute muss es heißen, die Marien-Kathedrale ist 1163 bis 2024 entstanden. Ausdruck einer weltweiten Zusammenarbeit: von Spendenden, Wissenschaftlerinnen, Handwerkern, Restauratorinnen, Planern und Helfenden. Spezialwissen zu Metall und Statik, Glas und Stein, Holz, Farben, Licht und 3D-Plänen wurde global (auch aus Bayern) zusammengetragen.
Da mögen Großkopferte wie Staatspräsident Emmanuel Macron – er drängte auf eine extra schnelle Sanierung – in Regierungswirren noch so sehr auf Imagegewinn hoffen, die wahre Leistung hat eine andere vollbracht: die Gemeinschaft. Nur sie konnte im Mittelalter einen gigantischen Bau errichten, nur sie konnte ihn nun wiederauferstehen lassen.
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