Für Putin ist es ein Erfolg mit Schönheitsfehler. Lieber wäre es ihm wohl gewesen, der Kreml-Kumpel Calin Georgescu hätte die Stichwahl in Rumänien gewonnen, um anschließend Orbán-gleich – oder schlimmer – Nato und EU von innen zu stören. Der Wunsch bleibt vorerst unerfüllt, nach dem Richterspruch muss die ganze Wahl wiederholt werden. Dafür kann sich Putin freuen, einmal mehr schweres Chaos in Feindesland gestiftet zu haben.
Man kann es drehen und wenden, wie man will: Die EU, die Georgescus Sieg in der ersten Wahlrunde kalt erwischt hat, scheint nach wie vor schlecht gewappnet gegen die Wahlmanipulationsversuche ihrer Gegner. Offenbar spülte eine russische Desinformationskampagne, verbreitet und algorithmisch begünstigt vom chinesischen Netzwerk Tiktok, Georgescu nach oben. Solch primitive Mittel genügen, um freien Gesellschaften zu Leibe zu rücken.
Die Heimtücke des hybriden Krieges liegt darin, dass er sich wie Frieden anfühlen kann. Doch unter der Oberfläche attackiert der Kreml seine Ziele immer aggressiver. Rumänien ist mit Blick auf die Ukraine ein Schlüsselstaat, wichtig für Getreidelieferungen aus und Waffenlieferungen in das attackierte Land. Zugleich ist Rumänien eine Warnung an uns: Die Bundestagswahl naht –und sie steht zweifelsohne ganz oben auf Putins Liste.
MARCUS.MAECKLER@OVB.NET