Es ist jetzt schon ein völlig absurder Wahlkampf: Innerhalb von einer Woche sind gleich zwei Kanzlerkandidaten in die Ukraine geeilt, nur um Selenskyj längst versprochene Waffen erneut zu präsentieren. Es ging nicht um echten Beistand, sondern um starke Bilder. Zugleich attackieren Merz und Scholz die Außenministerin, weil sie über Friedenstruppen in der Ukraine spricht: „Unangemessen“ und „unverantwortlich“ sei das. Es ist das immer gleiche Spiel mit der Angst des Wählers.
Man braucht sich nicht wundern, wenn Macron und Tusk nun ohne Deutschland über dieses Szenario debattieren – der Friedenskanzler hat das Format des Weimarer Dreiecks längst beerdigt. Dabei hätte er mit Blick auf Trumps Amtsantritt endlich die Chance gehabt, proaktiv zu sein anstatt immer nur zu reagieren: Warum sollte man sich nicht jetzt auf die (hoffentlich) näher rückende Waffenruhe vorbereiten?
Experten sind sich einig, dass externe Friedenstruppen für einen langanhaltenden Waffenstillstand unerlässlich sind. Europa ist in Sachen Ausrüstung und Logistik militärisch zu schwach, um das allein zu stemmen – gut möglich, dass es die Hilfe neutraler Akteure wie der Türkei oder der Vereinigten Arabischen Emirate braucht. Uns erwartet ein internationaler Kraftakt – und es gibt keinen Grund, warum sich Deutschland davor wegducken sollte.