Heimlicher Krieg gegen den Westen

von Redaktion

Die finnische Küstenwache stoppt die „Eagle S“. Ein Anker des Schiffes fehlt – damit wurde nach Meinung der Ermittler ein Ostseekabel beschädigt. © dpa

München/Berlin – Nato-Generalsekretär Mark Rutte hatte in seiner Antrittsrede erklärt, wir seien „noch nicht im Krieg, wir befinden uns aber auch nicht im Frieden“. Zwei aktuelle Ereignisse bestätigen seine düstere Sicht auf das, was Experten den „hybriden Krieg“ Russlands und Chinas gegen den Westen nennen.

In den USA erklärte das US-Finanzministerium, Ziel einer chinesischen Cyberattacke geworden zu sein. In einem Brief an die Kongress-Abgeordneten teilte das Ministerium mit, dass es am 8. Dezember von einem Softwareunternehmen darüber informiert worden sei, dass ein Hacker einen Sicherheitsschlüssel erlangt habe. Dieser habe ihm aus der Ferne Zugang zu bestimmten Arbeitsstationen des Finanzministeriums und den darauf befindlichen – nicht als geheim eingestuften – Dokumenten ermöglicht. Es werde davon ausgegangen, dass hinter dem „schwerwiegenden Sicherheitsvorfall“ ein vom chinesischen Staat geförderter Akteur stecke.

Zur russischen Attacke auf ein europäisches Unterwasserkabel wurden derweil neue Details bekannt. Die finnische Polizei eröffnete Ermittlungen gegen sieben Matrosen des in Russland gestarteten Tankers „Eagle S“ wegen Sabotage und belegte sie mit einem Ausreisebann.

Hintergrund: An dem Stromkabel Estlink 2 zwischen Finnland und Estland war am ersten Weihnachtstag ein Schaden festgestellt worden. Die Behörden gehen davon aus, dass die „Eagle S“ Teil einer russischen Schattenflotte ist und absichtlich mit einem Anker das am Boden der Ostsee verlaufende Kabel beschädigt hat. Finnland hatte den Tanker daher gestoppt, in finnische Gewässer eskortiert und beschlagnahmt. Am Montag entdeckten die Ermittler nach eigenen Angaben eine dutzende Kilometer lange Schleifspur am Meeresboden. Ein Anker der „Eagle S“ fehlt.

Es ist nicht der erste Vorfall dieser Art: Bereits Ende November soll das von einem russischen Kapitän gesteuerte chinesische Schiff „Yi Peng 3“ das Telekommunikationskabel zwischen Helsinki und Rostock mit einem Anker beschädigt haben. Nicht einmal 24 Stunden zuvor gab es zudem Schäden an einem weiteren Kommunikationskabel in der Ostsee zwischen der schwedischen Insel Gotland und Litauen.

Die Vorfälle sind Teil einer erschreckenden Serie von mutmaßlichen Sabotage- und Spionage-Aktionen durch russische Agenten, die Rechercheure von „Zeit online“ zusammengetragen haben.Bundeswehrkasernen wurden von Drohnen ausspioniert. Mordpläne gegen führende Industrievertreter, unter anderem gegen den Vorstandschef des Rüstungskonzerns Rheinmetall Armin Papperger, wurden von der Nato aufgedeckt.In Polens Hauptstadt Warschau wurde ein Baumarkt abgefackelt.In Bulgarien explodierten Munitionsdepots. In Paris wurden mutmaßliche russische Agenten erwischt, die antisemitische Parolen an von Juden bewohnte Häuser gesprüht hatten.Vor den Olympischen Spielen im vergangenen Sommer wurde das Schnellzugnetz Frankreichs durch Kabel-Sabotage lahmgelegt.Im Juli explodierte im DHL-Logistikzentrum Leipzig ein Sprengstoffpaket, das aus dem Baltikum verschickt worden war. Der nur durch Zufall nicht in der Luft explodierte Brandsatz war laut Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) und Bundeskriminalamt (BKA) nur eine von mehreren Paketsendungen mit Sprengstoff. Die Ermittler machen russische Saboteure dafür verantwortlich. Und es ist wohl davon auszugehen, dass diese Liste noch nicht an ihrem Ende angelangt ist.

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