Made in Germany? Ein aktuelles Scholz-Wahlplakat am Hauptbahnhof von Wiesbaden. © Arne Dedert/dpa
Berlin – Ein Großteil der deutschen Wähler mit Migrationshintergrund vertraut eher Parteien aus dem Spektrum Mitte-Links. Lediglich bei Zuwanderern aus der ehemaligen Sowjetunion und ihren Nachkommen haben CDU und CSU einen relativ guten Stand, wie eine aktuelle Studie des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung (Dezim) in Berlin zeigt. Was die Forscher außerdem herausgefunden haben: Die Sorgen der Wahlberechtigten mit und ohne Einwanderungsgeschichte ähneln sich. Die schwächelnde deutsche Wirtschaft und die Inflation ist für alle Deutschen derzeit das Problemfeld Nummer eins.
Die Daten zeigen zudem, dass Menschen mit Migrationshintergrund besonders häufig befürchten, Opfer einer Straftat zu werden. Dabei spielen nach Einschätzung der Autoren auch die materiellen Lebensumstände eine Rolle: „Prekäre wirtschaftliche Umgebungen und mangelnder Wohnraum sind oft mit einer höheren Kriminalitätsrate verbunden“, schreiben sie.
Die Forscher hatten für ihre Untersuchung nicht gefragt, wen die Teilnehmer der Umfrage wählen würden, wenn schon am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre, sondern, welche Partei sie für wählbar halten. Demnach hat die SPD mit 74 Prozent insgesamt das größte Wählerpotenzial, gefolgt von CDU und CSU, Grünen und FDP.
Schaut man allerdings auf die verschiedenen Gruppen, zeigen sich Unterschiede. Beispielsweise gibt es bei Wählern, die Wurzeln in Nicht-EU-Staaten haben, weniger Zustimmung für die Grünen als unter Menschen ohne Migrationshintergrund. Die Linke und das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) haben in allen von den Wissenschaftlern betrachteten Gruppen mit ausländischer Herkunft mehr Wählerpotenzial als unter Wählern ohne Einwanderungsgeschichte. Mit einer Ausnahme: Menschen mit Wurzeln in Russland oder anderen Gebieten der Ex-Sowjetunion haben etwas weniger Vertrauen in die radikale Linke. Als Mensch mit Migrationshintergrund im Sinne der Studie gelten Menschen, die einen Elternteil haben, der ohne deutsche Staatsangehörigkeit geboren wurde.
Zu den Themen, die Menschen mit Migrationsgeschichte zuletzt große Sorgen bereitet haben, zählt auch der Nahostkonflikt. Dieser Konflikt wird vor allem von Menschen aus der Türkei und der arabischen Welt oft aus einem anderen Blickwinkel betrachtet. 42,7 Prozent der befragten Menschen mit Wurzeln im Ausland bereitet er große Sorgen. Ohne Migrationshintergrund sind es 34,8 Prozent.
Der Zeitraum der Befragung war übrigens Dezember 2023 bis März 2024. Menschen mit Bezug zur ehemaligen Sowjetunion machen 12,4 Prozent der Befragten aus, Menschen mit Bezug zu arabischen Ländern und der Türkei 25,3 Prozent und Menschen mit Bezug zu EU-Ländern 42,3 Prozent.
DPA