Es klang wie eine Szene aus dem Bauerntheater: Ein CSU-Mann klaut in München Wahlplakate der Konkurrenz („Die Partei“), verstaut sie in einem CSU-Gebäude und fliegt am Ende auf, weil die Bestohlenen ihre Plakate mit Peilsendern versehen hatten. Eine Posse, lustig, haha? Ja, vielleicht schon – aber auch etwas anderes. Was wir heuer erleben, ist ein Wahlkampf mit zu vielen Grenzüberschreitungen.
Dabei müssen wir nicht bloß über den absurden Plakat-Klau sprechen, sondern auch über eine ganze Reihe anderer Vorkommnisse. Wenn wir hören, dass sich die Zahl der Verstöße gegen die Plakatierungs-Regeln der Stadt zuletzt verzehnfacht (!) hat, dann ist das kein gutes Zeichen.
Respekt ist nämlich ein wichtiger Wert. Etwa Respekt vor dem politischen Gegner: Dessen Plakate darf man nicht klauen, nicht zerreißen, nicht übersprühen. Genau das passiert aber täglich. Und Respekt vor den Bürgern: Man stellt Plakate nicht so auf, dass sie an Kreuzungen die Sicht gefährlich blockieren. Auch das ist heuer fast schon Standard, obwohl es verboten ist.
Wenn jemand sich von einer Gesellschaft zu ihrem Vertreter wählen lassen möchte, dann sollte er dieser Gesellschaft seinen Respekt erweisen. Wer sich heute nicht an die kleinen Plakat-Regeln hält, muss sich fragen lassen, ob er morgen für den Umgang mit großen Gesetzen geeignet ist.
ULRICH.HEICHELE@OVB.NET