Vergessene Geschichte, vergiftete Gegenwart

von Redaktion

Umfrage zum Holocaust

Es ist ja so lange her und hat nichts mit meinem Leben heute zu tun…

Wirklich? Das erschreckende Unwissen vieler junger Europäer oder US-Amerikaner über den Holocaust, das eine Studie der jüdischen Claims Conference jetzt offenbarte, erklärt auch, warum weltweit Rechtsextremismus und Antisemitismus wieder Erfolge feiern, als habe es den Horror des deutschen NS-Regimes und des italienischen Faschismus nie gegeben.

Und die Geschichtsvergessenheit beeinflusst sehr wohl auch die Haltung zur heutigen Politik: Wer keine Ahnung davon hat, dass der Staat Israel gegründet wurde, um den Überlebenden des Holocaust endlich einen Ort zu geben, wo Juden keine Verfolgung mehr erdulden müssen, der kann den heutigen Nahost-Konflikt nicht begreifen. In Frankreich etwa, wo 46 Prozent der 18- bis 29-Jährigen laut der Umfrage noch nie vom Holocaust gehört haben, sind naiv-propalästinensische Proteste besonders aggressiv und stark. Es fällt halt leichter, Israelis pauschal als „Kolonialherren“ zu beschimpfen, die in Palästina nichts zu suchen hätten, wenn man die historischen Hintergründe verleugnet oder gar nicht kennt.

Ohne Geschichte ist die Gegenwart nicht zu verstehen. Sicher treten Rechtsextremismus und Antisemitismus in unserem Handy- und Tiktok-Zeitalter anders auf als 1933. Aber die Grundrezepte des braunen Gifts bleiben traurig aktuell. Diese Mechanismen auch künftigen Generationen deutlich zu machen, ist zentrale Aufgabe der Schulen und Medien.
KLAUS.RIMPEL@OVB.NET

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