Lindner und die zwei Bruchlinien

von Redaktion

Die vielen FDP-Abweichler

Mit der Zocker-Floskel „All in“ wird die Taktik der Zuwanderungs-Begrenzer im Bundestag in diesen Tagen gern beschrieben. Wer „All in“ geht, riskiert alles – gewinnt alles oder verliert alles. Kurzfristig passt dieser Spieler-Vergleich hier nicht, auch nicht auf die mitbeteiligte FDP. Sie kommt nicht ruiniert, aber recht zerpflückt und zerrieben aus der verlorenen Abstimmung.

Zu viele Abweichler sind Parteichef Christian Lindner nicht gefolgt. Zwei große Bruchlinien in die FDP sind unübersehbar. Ein Teil der Fraktion trauert der Ampel nach. Das ist angesichts der rotgrüngelben Leistungsbilanz geradezu skurril; aber sozialliberale Sympathie hat seit Jahrzehnten ihren berechtigten Platz in der FDP. Für diesen Kreis ist der Weg zu Merz sehr weit. Zweite Bruchlinie: Lindners Kritiker, also Fachpolitiker wie Konstantin Kuhle oder Johannes Vogel, stellen sich offen gegen den Chef. Die Rivalen sehen ihre Zeit nahen. Eine Richtungsdebatte also und gleichzeitig eine Machtfrage, keine gute Kombination in existenzbedrohlichen Monaten der FDP.

In Kenntnis oder in Unkenntnis der zwei Dutzend FDP-Abweichler in die knappe Abstimmung zu gehen, war ein Managementfehler. Lindner kann das nicht passen. Er, der so gerne ein schwarz-gelbes Zweierbündnis herbeireden würde – für das sachpolitisch eine Menge sprechen würde, nur demoskopisch nichts –, muss einräumen: Er hat seine Leute nicht beisammen. Wie soll man mit dieser Truppe knapp regieren? Es ist zu früh, um Lindner oder die FDP (mit ihm oder nach ihm) abzuschreiben. Aber leichter ist es nicht geworden, jene Wähler zu gewinnen, die eine echte Politikwende wollen.
CHRISTIAN.DEUTSCHLAENDER@OVB.NET

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