Selbstgefährdung im Studio

von Redaktion

Ärger über Linke im ZDF-Publikum

Tief durchatmen: Der Streit, welche Klatschkasperl im ZDF-Publikum bei Polit-Runden Stimmung machen, wird diese fundamental wichtige Bundestagswahl nicht entscheiden. Gestandene Politiker müssen auch mit gegnerischem Publikum klarkommen. Der Ärger über die parteiische Zuhörerschaft ist dennoch berechtigt und sollte ernst genommen werden: Weil Schnitzer wie dieser in einer aufgeheizten Stimmung weniger der Politik, sondern mehr dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk selbst schaden.

Mancher mag es nicht wahrhaben, aber das beitragsfinanzierte System ist fundamental herausgefordert durch das wachsende Misstrauen der Bevölkerung, die dafür zahlen muss. Offenkundige Einseitigkeit ist ein Aspekt davon. Die meisten Menschen können damit umgehen, wenn sie mit klar gekennzeichneten Meinungen konfrontiert werden, die sie teilen oder auch nicht; sensibel reagieren sie auf den Eindruck, verdeckt manipuliert zu werden.

Der Ärger reicht inzwischen tief in bürgerliche Milieus hinein, das ist kein Fimmel von Radikalen. Die Öffentlich-Rechtlichen, für die es viele gute Argumente gibt (und einige Beispiele für starken Journalismus), werden das mittelfristig nur überleben, wenn sie sich reformieren, drastisch verschlanken und strikt überparteilich positionieren und beweisen. Gerade das ZDF sollte ahnen, dass es nicht mehr sakrosankt ist.

Die Sender, vor allem ihre Chefs, haben zuletzt sehr viele Fehler gemacht. Kleinere (aber spektakuläre) wie beim Publikum oder beim Zusammenschnitt von Merz-Filmen; und vor allem größere wie mit der Verfassungsklage für einen höheren Beitrag, der im Volk keine Akzeptanz mehr finden würde. Die Intendanten senden damit eine spektakuläre Botschaft an die Politik: Wir haben‘s nicht verstanden.
CHRISTIAN.DEUTSCHLAENDER@OVB.NET

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