Wortgefechte im Weißen Haus

von Redaktion

Der Rauswurf: Eine Mitarbeiterin geleitet Selenskyj zu seiner gepanzerten Kolonne. © Evan Vucci/dpa

Die Diskussion mit JD Vance (r.) im Oval Office wird plötzlich hitzig. © Saul Loeb/AFP

„Er soll dankbar sein“: Wolodymyr Selenskyj beim schroffen Empfang gestern Abend durch Trump am Weißen Haus. © AFP

Washington – Ein Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj im Weißen Haus ist völlig eskaliert. Trump überzog Selenskyj vor laufenden Kameras lautstark mit heftigen Vorwürfen. „Sie setzen das Leben von Millionen Menschen aufs Spiel. Sie riskieren einen Dritten Weltkrieg“, sagte er zu dem Ukrainer. Trump forderte Selenskyj auf, dankbar zu sein und verlangte von ihm, seine Haltung zu ändern. Er unterbrach ihn immer wieder, während der ukrainische Präsident versuchte, etwas zu erwidern. Stellenweise entwickelten sich heftige Wortgefechte.

„Ihr Land steckt in großen Schwierigkeiten. Ich weiß, dass Sie nicht gewinnen werden. Sie werden das hier nicht gewinnen. Sie haben eine verdammt gute Chance, da heil rauszukommen, wegen uns“, sagte Trump aufgebracht und warf Selenskyj Undankbarkeit vor. Selenskyj verschränkte die Arme, versuchte sich zu verteidigen und monierte, dass nach der russischen Annexion der Halbinsel Krim im Jahr 2014 niemand wirksam Kremlchef Putin aufgehalten habe.

Flankiert wurde Trump von US-Vizepräsident Vance. „Ich finde es respektlos von Ihnen, ins Oval Office zu kommen und zu versuchen, vor den amerikanischen Medien zu verhandeln“, sagte Vance. „Gerade jetzt, wo Sie herumlaufen und Wehrpflichtige an die Front zwingen, weil Sie Personalprobleme haben, sollten Sie Präsident (Trump) dafür danken, dass er versucht, die Situation zu verbessern.“ Trump ergänzte unter anderem mit Blick auf den von Russland 2022 begonnen Angriffskrieg: „Wenn Sie unsere Militärausrüstung nicht hätten, wäre der Krieg nach zwei Wochen zu Ende gewesen. Sie haben dankbar zu sein.“

Trump beendete den Austausch schließlich mit den Worten „Ich denke, wir haben genug gesehen“ und: „Das wird großartiges Fernsehen sein, das kann ich Ihnen sagen.“ Das geplante Rohstoffabkommen zur gemeinsamen Nutzung von Bodenschätzen in der Ukraine wurde am Abend nicht unterzeichnet, bestätigte das Weiße Haus. Trump sagte eine Pressekonferenz mit Selenskyj ab und schickte eine zornige Veröffentlichung hinterher. Der Gast habe die Vereinigten Staaten nicht geachtet. Selenskyj solle „wiederkommen, wenn er bereit ist für Frieden“. Medien berichten von einem regelrechten Rauswurf der Delegation nach einer Stunde.

Aus Russland gab es am späten Abend hämische Reaktionen, aus Europa Solidarität mit Selenskyj. „Ukrainische Freunde, ihr seid nicht allein“, verbreitete der polnische Regierungschef Donald Tusk. SPD-Chef Lars Klingbeil sagte: „Das Verhalten der US-Regierung zeigt einmal mehr, dass Europa seine Zukunft stärker in eigene Hände nehmen muss. Deutschland muss und wird vorangehen. Auch um der Ukraine zu helfen.“

CDU-Chef Friedrich Merz sagte, jetzt komme es auf Europa an. Zuvor machte Merz allerdings eine Beteiligung deutscher Soldaten an der Absicherung eines Frieden für die Ukraine von Zusagen für eine Beteiligung der USA abhängig. Wenn es um die Absicherung eines Waffenstillstands oder Friedens gehe, müsse Deutschland zuerst mit seinen wichtigsten Verbündeten sprechen, sagte er der „FAS“. „Das ist in jedem Falle keine Aufgabe allein der Bundesrepublik Deutschland.“ Die Frage, ob die Bundesregierung unter seiner Führung den durchschlagskräftigen deutschen Marschflugkörper Taurus wie gewünscht an die Ukraine liefern würde, ließ Merz offen. Die Ukraine müsse die Systeme bekommen, die sie zur Verteidigung benötige, auch Marschflugkörper. „Ob es dann der Taurus ist oder ein anderes System, muss man sehen und im Kreis der europäischen Verbündeten abstimmen.“

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