Mannheims nächster Albtraum

von Redaktion

Polizisten sichern den Tatort im Zentrum. © Roessler/dpa

Rettungskräfte versorgten die Augenzeugen. © Priebe/dpa

Spur der Verwüstung: Der Kleinwagen des Täters wird nach der Amokfahrt von Spezialisten der Polizei untersucht. © Lohnes/AFP

Mannheim – Dunkle Erinnerungen werden geweckt, als die Warn-Apps auf unzähligen Handys am Rosenmontag in Mannheim Alarm schlagen und eine lebensbedrohliche Lage melden. Erinnerungen etwa an das Attentat auf dem Marktplatz, als ein Afghane vor nicht mal einem Jahr mehrere Menschen mit einem Messer attackierte – und einen Polizisten tötete. Oder an Magdeburg, wo kurz vor Weihnachten ein Arzt mit einem Auto in eine Menschenmenge raste. Oder an München. Es gibt viele Städtenamen, die in den vergangenen Monaten Synonym geworden sind für grauenvolle Taten mit Toten und Verletzten.

An diesem Tag, während im ganzen Land Narren und Faschingsfans in der Sonne feiern und tanzen, trifft es wieder Mannheim. Mitten in der Fußgängerzone fährt um 12.15 Uhr ein Auto in eine Menschenmenge. Zwei Menschen, eine 83-jährige Frau und ein 54-jähriger Mann, kommen ums Leben, fünf werden schwer verletzt, fünf leicht. Der mutmaßliche Täter liegt verletzt im Krankenhaus. Er hatte sich bei der Festnahme mit einer Schreckschusspistole in den Mund geschossen.

Es handelt sich um einen 40-jährigen Deutschen aus Rheinland-Pfalz, so viel geben die Ermittler bald preis. Im Laufe des Abends zeichnet sich dann ein etwas klareres Bild ab. Hintergrund der Todesfahrt war demnach wohl eine psychische Erkrankung. Es gebe Anhaltspunkte für eine solche Erkrankung des Täters, teilt der zuständige Staatsanwalt in Mannheim mit. Der Mann sei von Beruf Landschaftsgärtner. Innenminister Thomas Strobl (CDU) berichtet, dass es keinerlei Hinweise auf einen religiösen oder extremistischen Hintergrund gebe.

Juristisch war der Täter kein unbeschriebenes Blatt. Es gebe ein paar Vorstrafen, die lange zurücklägen, sagte der Staatsanwalt. Dabei gehe es um eine Körperverletzung, für die er eine kurze Freiheitsstrafe verbüßt habe vor über zehn Jahren, außerdem ein Fall von Trunkenheit im Verkehr. Bei der letzten Tat handle es sich um ein Delikt im Bereich von Hate Speech aus dem Jahr 2018.

Nach Augenzeugenberichten soll der Mann mit seinem Wagen vom Friedrichsring kommend in die mehrere hundert Meter lange Haupteinkaufstraße Planken gerast sein und auf Höhe des Paradeplatzes mehrere Passanten an- oder umgefahren haben. Auf den Planken und rund um den Wasserturm findet derzeit ein Fasnachtsmarkt statt.

Nach der Todesfahrt wurden mehrere geplante Fasnachtsumzüge in Baden-Württemberg abgesagt. In Mannheim galt dies sowohl für das Zentrum als auch für mehrere Vororte. Feiern will hier niemand mehr.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) drückte seine Anteilnahme gegenüber Opfern und Angehörigen aus. „Das ist nun wirklich schwer zu ertragen und auszuhalten“, sagte er. Er versicherte, dass der Staat alles tue, was er tun könne, um sie zu schützen. Aber hundertprozentigen Schutz könne es nicht geben. „Manchmal ist es einfach nur tragisch und schlimm.“

Ähnlich äußerten sich Bundeskanzler Olaf Scholz und Unions-Chef Friedrich Merz. Scholz schrieb auf X: „Erneut trauern wir mit den Angehörigen der Opfer einer sinnlosen Gewalttat und bangen um Verletzte. Damit können wir uns nicht abfinden.“ Merz erklärte: „Der Vorfall – wie auch die schrecklichen Taten der vergangenen Monate – mahnt uns eindringlich: Wir müssen alles tun, um solche Taten zu verhindern.“ Deutschland müsse wieder ein sicheres Land werden.

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