KOMMENTAR

Schweigen ist Trump

von Redaktion

Oscars 2025

Stimmt, bei den Oscars geht es in erster Linie um die Würdigung von Filmkunst. Doch diese Gala ist eben nicht nur eine kleine regionale. Rund eine Milliarde Menschen schauten weltweit zu. Da hätte es angesichts der politischen Lage in den USA und weltweit eine klarere Haltung gegenüber Donald Trump und Konsorten geben dürfen. Mehr beherzte Ansprachen wie die von Zoë Saldaña, die an die Migrationsgeschichte ihrer Familie erinnerte. Mehr Aufbegehren gegen den Hass und die Lügen, die aus dem Weißen Haus schrillen.

Moderator Conan O’Brien spielte mit Adam Sandler zwar auf den Eklat zwischen Trump und dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj an; amüsierte sich über Amazon-Milliardär Jeff Bezos und Trumps Russland-Politik. Doch angesichts der massiven Angriffe auf die liberalen Ideale, für die Hollywood steht, war das viel zu leise.

Film kann die Welt verändern, heißt es. Und die Filmwelt kann Politik beeinflussen, wenn sie sich auf ihre Stärke besinnt. Laut Haltung zeigen, nicht nur auf der Leinwand. Damit das abgedroschene Wort „Influencer“ im besten Sinne wahr wird: Schauspieler, Regisseure, Autoren können Einfluss nehmen darauf, wie der Umgangston in unserer Gesellschaft klingt. Weniger albtraumhaft; dafür friedvoll, offen, gemeinschaftlich – wie aus der Traumfabrik.
KATJA.KRAFT@OVB.NET

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