Bahn-Bashing ist ein beliebter Volkssport. Klar, irgendwas läuft immer schief bei täglich über 1000 Fahrten der Münchner S-Bahnen. Und wenn mal nicht – dann muss halt die letzte Story über eine ICE-Fahrt ins Chaos herhalten. Insofern hat Münchens OB Reiter mit seiner Rundum-Abrechnung garantiert nichts falsch gemacht. Gerecht wird das den Leistungen der vielen Bahn-Beschäftigten allerdings nicht. Vielleicht wäre es doch manchmal besser, etwas zu differenzieren.
Aber der Reihe nach: Bei der 2. Stammstrecke etwa ist das Controlling mittlerweile Chefsache eines extra eingerichteten Landtags-Ausschusses. Auch wenn sich der Termin der Fertigstellung noch nicht endgültig abschätzen lässt – insgesamt läuft es jetzt besser.
Auch beim alltäglichen S-Bahn-Betrieb gibt es Bemühungen über Verbesserungen, die man nicht schlechtreden sollte. Sie kosten aber Geld. Es wird auch vom Ausgang der Koalitionsverhandlungen abhängen, ob der Ausbau der Infrastruktur dauerhaft finanziert wird. Womit Reiter aber garantiert Recht hat: Die Situation am Hauptbahnhof schreit zum Himmel. Das Bahnhofsmanagement gehört eigentlich wegen permanenter Schlechtleistung abgemahnt.
Ein Bahnhof sollte eine Eintrittspforte in die Stadt sein, kein „Tor zur Hölle“. Die Verwahrlosungstendenzen dort sind einer Großstadt nicht würdig. Von fehlenden Radlständern über Müll, mangelnder Sicherheit bis hin zum Rolltreppen-Chaos. Es wird noch schlimmer werden – die Großbaustelle Hbf beginnt ja erst. OB Reiter trifft also ins Schwarze. Aber, ganz ehrlich: Gehört es nicht zur Aufgabe eines Oberbürgermeisters, sich schleunigst darum zu kümmern – anstatt nur zu kritisieren?
Wahrscheinlich hat Reiter einfach verstanden, dass er im Dickicht der DB-Konzernstruktur nie den wirklich Verantwortlichen finden würde (googeln Sie mal einen Ansprechpartner fürs Bahnhofsmanagement!). Und wenn doch: Nicht einmal der S-Bahn-Chef hat der Abteilung etwas zu sagen. Geschweige denn ein Münchner OB.