Das neue Gesicht der US-Demokraten

von Redaktion

Nach nur zwei Monaten im Amt: Michigan-Senatorin Slotkin soll Trumps Kongressrede erwidern

Erst seit Januar ist Slotkin US-Senatorin. © Bailey/dpa

München/Washington – So langsam scheinen sich die US-Demokraten von ihrer Schockstarre zu erholen und wieder ins Handeln zu kommen. Spätestens nach der letzten Wahl wissen sie, dass sie frischen Wind brauchen. Einfach ganz neue Gesichter. Diesen Vorsatz, diese nicht verstummende Forderung nimmt die Partei jetzt so ernst, dass sie gleich auf einen Neuling setzt, um Donald Trump die Stirn zu bieten.

Elissa Slotkin (48) soll nämlich direkt auf die erste Kongressansprache des US-Präsidenten antworten. Und das, nachdem sie gerade erst den US-Staat Michigan als Senatorin vertritt. „Ich habe nicht erwartet, dass ich meine Antrittsrede so schnell halte“, sagt sie Anfang Februar bei ihrer ersten Rede in der Senatskammer. Eine solche Feuerprobe nur einen Monat später hat sie wohl ebenso wenig erwartet.

Doch so im direkten Vergleich mit dem Republikaner Trump, der polarisiert, gerne pöbelt, kann sich Slotkin als demokratisches Gegenbeispiel positionieren. Mit einer ruhigen, unaufgeregten Art. Eine Newcomerin in der ersten, aber keineswegs in der zweiten Reihe. Die einstige CIA-Analystin – mit drei Irak-Einsätzen – arbeitete später als Sicherheitsexpertin für den republikanischen Präsidenten George W. Bush. Anschließend war sie für den Demokraten Barack Obama im Weißen Haus und Pentagon tätig. 2018 kandidierte sie dann erstmals für den Kongress und gewann für die Demokraten einen Sitz im US-Repräsentantenhaus zurück.

Jetzt, als demokratische Senatorin eines sogenannten Swing-States, der bei der US-Wahl an Trump ging, trägt sie eine spezielle Verantwortung. „Meine Herausforderung wird es jeden Tag sein“, sagt Slotkin, „herauszufinden, was die Dinge sind, wo ich Kompromisse eingehe.“ Keine Kompromisse kenne sie allerdings bei „unserer Verfassung, unserer Demokratie und unseren Rechten“.

Klare Worte, mit denen sie auch bei der Rede in der Nacht zu Mittwoch punkten dürfte. Als zusätzliche Unterstützung plant die Demokratin den Veteranen Andrew Lennox mitzubringen. Er hat nach der radikalen Sparoffensive der neuen Trump-Regierung seinen Job in einem Veteranenkrankenhaus verloren. Er ist einer von vielen.

Slotkin will wieder Nähe zu den US-Bürgern aufbauen, mehr für ihre Arbeitsplätze und Geldbeutel tun. Die Demokratin gehört zu den Moderaten, die auch mal Kritik aussprechen. „Wir haben keinen guten Job gemacht“, sagt sie über den Wahlkampf im November. Praktisch die Prioritäten aus den Augen verloren. Slotkins Ansatz könnte die Partei nun aus der Krise führen. Chuck Schumer, Vorsitzender der Demokraten im Senat, nennt sie bereits „ein aufsteigender Stern in unserer Partei“. Diese Strahlkraft kann Slotkin jetzt beweisen – im Anschluss zu Trumps Rede.
L. HUDELMAIER

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