KOMMENTARE

Ukraine-Tote sind jetzt auch Trumps Opfer

von Redaktion

USA stoppen Militär-Hilfe

Allen, die Wolodymyr Selenskyj nach dem Eklat im Weißen Haus vorgeworfen haben, er hätte halt unterwürfiger auftreten müssen, muss jetzt klar sein: Der Angriff vor laufenden TV-Kameras war eine Inszenierung, die allein den Zweck hatte, den US-Bürgern vorzuführen, wie undankbar dieser Kerl aus dem fernen Europa ist. Egal wie tief der Kotau des ukrainischen Präsidenten am Hofe Trump gewesen wäre: Dass die US-Regierung die Aussetzung der Waffenhilfe für die Ukraine verkünden würde, war da längst ausgemacht. Selenskyj war Statist einer Schmierenkomödie.

Trump stoppt sogar Waffen-Lieferungen, die jetzt schon in Richtung Ukraine unterwegs sind. Das ist geradezu eine Einladung an Wladimir Putin, die Angriffe in den nächsten Tagen und Wochen massiv auszuweiten. Denn der Kreml-Herrscher weiß ja, dass die EU aktuell nicht im Mindesten in der Lage ist, die fehlenden Waffen und die fehlende Munition auszugleichen. Wenn etwa die Abwehrraketen für die US-Patriots ausgehen, die Kiew und andere Städte schützen, werden viele ukrainische Zivilisten sterben. Es sind dann nicht nur die Opfer Putins, sondern auch die Trumps.

Aber die Sicherheit der Welt hängt ja nicht länger nur an der Politik. Dass ein ultrareicher Privatmann wie Elon Musk mit seinem Internet-Satellitensystem Starlink über Krieg und Frieden mitentscheidet, ist ein Zustand, den ein demokratischer Staat wie die USA nie hätte zulassen dürfen. Trump glaubt, Musks Allmacht eindämmen zu können, indem er andere Tech-Oligarchen wie Bezos und Zuckerberg an seinem Hof Mar-a-Lago ein bisschen mit intrigieren lässt. Mit Demokratie hat das alles nichts mehr zu tun.

Mit jedem Strafzoll, mit jeder neuen Lobhudelei für Diktatoren, mit jeder neuen Beleidigung für einstige Verbündete steigt die Hoffnung, dass republikanische Kongressabgeordnete mit einem letzten Hauch von Anstand sich von diesem Präsidenten abwenden. Und vor allem: Dass den US-Amerikanern langsam dämmert, welchen historischen Fehler sie mit der Wiederwahl dieses Mannes begangen haben, der mehr einem Mafia-Paten als einem Staatsmann gleicht. Die Zwischenwahlen in zwei Jahren sind dann wohl wirklich die letzte Chance, die US-Demokratie zu retten.
KLAUS.RIMPEL@OVB.NET

Artikel 7 von 11