Trump liebt Zölle – aber noch mehr liebt er es, von der Wall Street geliebt zu werden. Mit nichts brüstet sich der Business- Präsident lieber als mit steigenden Aktienkursen. Der Narzisst im Weißen Haus muss es als persönliche Schmach nehmen, dass die von ihm umworbenen Anleger gerade in Scharen Reißaus nehmen vor seiner Politik. Um 9 Prozent ist der Technologie-Index Nasdaq seit zwei Wochen abgestürzt. Alle Zugewinne der US-Börsen seit Trumps Wahlsieg sind ausradiert. Am härtesten trifft es Kumpel Elon Musk: Um 92 Prozent waren seine Tesla-Aktien nach Trumps Sieg in die Höhe geschnellt. Jetzt ist alles futsch. Auch der von Trump gehypte Bitcoin trudelt seit Wochen. Sein Versuch, die Kryptowährung am Sonntag hoch zu reden, verbrannte in einem Strohfeuer. Die Botschaft lautet: Wall Street senkt den Daumen über Trumps Handelskrieg.
Für die mit Handelszöllen von 20, 25 Prozent attackierten Länder wie Kanada, Mexiko, China und wohl bald auch Europa ist das eine Chance. Trump kann nicht einfach durchziehen, ohne einen Crash und massiven Vertrauensverlust daheim zu riskieren. Die Amerikaner haben kein gut ausgebautes Sozialsystem wie die Europäer. Ihr Wohl und Wehe hängt am Aktienmarkt. Wenn der einbricht, kühlt auch Verehrung des America-first-Präsidenten schnell ab. Trump wäre nicht er selbst, würde er nicht auch in diesem Fall einen Sündenbock suchen. US-Notenbankchef Powell versucht mit hohen Zinsen gegen die Zölle und die durch sie verursachte Teuerung anzusteuern, was wiederum Aktien unter Druck bringt. Der Mann lebt gefährlich.
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