Als winziger Wurm im Spiel der Mächtigen mag sich fühlen, wer Trumps Eskapaden und das Ein-bisschen-Aufbäumen Europas verfolgt. Dieses Gefühl der Ohnmacht führt oft zu Zorn. Doch so wehr- und einflusslos ist der Einzelne gar nicht, sobald er sich auf seinen Entscheidungsspielraum als Konsument besinnt.
Der Absturz von Tesla am Absatzmarkt Europa (und an der Börse) lehrt: Käufern und Nutzern ist eben nicht egal, dass sich Tesla-Besitzer Musk politisch radikal engagiert, aktiv europäische Demokratien zu destabilisieren versucht. Das trifft das Markenimage, und weil anhaltende Qualitätszweifel dazukommen, schreckt das Interessenten ab. Musks unternehmerischer Fokus mag weiterwandern, doch die Botschaft der Kunden dröhnt in seinen Ohren.
Es braucht keine flammenden oder gar ideologischen Boykott-Aufrufe, erst recht nicht Vorwürfe gegen jene, die bewusst (oder weil er noch in der Garage steht) weiter Tesla fahren. Sondern es geht darum, dass Konsumenten überlegt agieren. Das beginnt im Kleinen: Jede Bestellung beim US-Giganten Amazon, auf die Fußmatte geliefert, ist bequem – nachhaltiger ist der Einkauf im Laden. Ob man das tut, damit der lokale Einzelhandel nicht plattgemacht wird, oder um die erdrückende Dominanz eines US-Konzerns einzuhegen, mag jeder für sich begründen. Wichtiger ist die Erkenntnis (auch für Streaming, Kultur, Digitalanbieter und mehr): Ein europäischer Markt von 450 Millionen Kunden hat, wenn er seine Bequemlichkeit überwindet, riesige Macht.
CHRISTIAN.DEUTSCHLAENDER@OVB.NET