Bischöfe sehen Grenzschließung kritisch

von Redaktion

Von der AfD hat sich Bischof Bätzing distanziert. © DPA

Kall/München – Die deutschen katholischen Bischöfe haben sich erneut von der AfD distanziert. Klar und deutlich hat der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Limburger Bischof Georg Bätzing, gestern deren „antidemokratischen Positionen“ zurückgewiesen. Das Abschneiden der AfD bei der Bundestagswahl nannte er zum Auftakt der Frühjahrsvollversammlung der Bischofskonferenz in Kloster Steinfeld (Eifel) „sehr besorgniserregend“.

Die Bischöfe wenden sich gegen Kräfte, die Grundwerte des Glaubens wie die gleiche Würde jedes einzelnen Menschen ablehnten. „Bürgerinnen und Bürger, die in diesem Land über einen Pass verfügen, die gehören alle zu uns – egal, welcher Herunft sie einmal waren“, sagte Bätzing. Wer Spaltungen betreibe, müsse damit rechnen, dass die Kirche massiv ihre Stimme erhebe.

„Wie unverfroren“ die Parteivorsitzende der AfD spalterische, antidemokratische und Pro-Putin-Positionen geäußert habe, „das hat mich geradezu schockiert“. Bätzing erklärte, die Zeiten seien vorbei, dass man bei AfD-Wählern von den Unzufriedenen spreche, mit denen man maßvoll umgehen müsse. „Ich sage: Wer bei der Bundestagswahl AfD gewählt hat, wusste, was er unterstützen will, und dann muss er dafür Verantwortung übernehmen.“ Man wolle den extremistischen Kräften, die an beiden Seiten des Spektrums nicht unerheblich Zuspruch bekommen haben, „unser Land nicht überlassen“.

Auch grundsätzlich wollen sich die Bischöfe weiter politisch äußern. Vor der Bundestagswahl hatte es einen heftigen Streit zwischen den Unionsparteien und der katholischen und evangelischen Kirche gegeben. „Wir sind keine politische Partei, aber wir haben vom Evangelium her einen klaren politischen Auftrag, der sich aus unserem Menschenbild speist“, sagte Bätzing. Wenn es Dinge gebe, die man nicht mittragen könne, werde man sich zu Wort melden. Auf die Kritik von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU), der den Kirchen zu mehr Zurückhaltung geraten hatte, ging Bätzing nicht näher ein: „Das war Wahlkampf. Ich glaube, da kommen wir miteinander gut klar.“ Aber er sagte auch: „Grenzschließungen und Zurückweisungen sehen wir nach wie vor kritisch.“

Der Münchner Kardinal Reinhard Marx kann bei der Vollversammlung nicht dabei sein, weil er nach einer Verletzung am Arm operiert werden muss (wir berichteten). Zum Migrationsthema hatte er sich bereits im Fastenhirtenbrief am Wochenende geäußert. Darin hatte er eine Migrationspolitik gefordert, die die Menschenwürde im Blick behält. Es könne nicht sein, dass „Menschen, die vor Hunger und Klimakatastrophen, Verfolgung, Folter, Krieg und Gewalt fliehen, an unseren Grenzen zurückgeschickt werden“. Diese Menschen als Bedrohung anzusehen und auszugrenzen, sei „nicht nur unchristlich, sondern unvernünftig“.
CM

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