Kein Frieden in Syrien: Ein Mitglied der syrischen Sicherheitskräfte patrouilliert in der Küstenstadt Jableh. © dpa
Damaskus – Nach tagelangen Kämpfen und mutmaßlichen Massakern an hunderten Zivilisten in der Küstenregion im Westen Syriens hat die Übergangsregierung den dortigen Militäreinsatz am Montag für beendet erklärt. Der Einsatz sei „erfolgreich“ verlaufen, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums. Das Auswärtige Amt in Berlin bezeichnete die Berichte über die Tötung von annähernd tausend Zivilisten in den vergangenen Tagen als „zutiefst schockierend“.
In den an der Mittelmeerküste gelegenen Provinzen Syriens hatten am Donnerstag Gefechte zwischen Kämpfern der neuen islamistischen Führung in Damaskus und Anhängern des gestürzten Machthabers Baschar al-Assad begonnen. Am Freitag startete die neue Führung einen Großeinsatz gegen „die Überreste von Assads Milizen und deren Unterstützer“.
Der Sprecher des syrischen Verteidigungsministeriums erklärte am Montag weiter, es sei den Einsatzkräften „gelungen (…), die Angriffe der Überreste des gestürzten Regimes und seiner Offiziere abzuwehren“ und diese aus „entscheidenden“ Orten zu vertreiben. Die Kräfte hätten „alle Sicherheitszellen und Regimeüberbleibsel“ in Städten wie Latakia und in der Provinz Tartus „neutralisiert“. Damit seien alle Ziele des „Militäreinsatzs“ erreicht, dieser werde daher eingestellt.
Bei den Kämpfen wurden nach Angaben der in London ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte mehr als 1500 Menschen getötet, darunter 1068 Zivilisten. Diese seien von Sicherheitskräften der Übergangsregierung und verbündeten Gruppen getötet worden, erklärte die Organisation. Sie sprach von „Hinrichtungen“ und „ethnischen Säuberungsaktionen“ in dem vor allem von der alawitischen Minderheit bewohnten Gebiet Syriens, der auch Ex-Machthaber Assad angehört. Auch Kinder seien Opfer der Massaker geworden. Die Beobachtungsstelle bezieht ihre Informationen von einem Netzwerk von Aktivisten vor Ort. Ihre Angaben können oft nicht unabhängig überprüft werden.
Die Berichte lösten international Empörung aus. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amts sagte, die Berichte seien „zutiefst schockierend“. Es obliege nun der Übergangsregierung in Damaskus, „weitere Übergriffe zu verhindern, die Vorfälle aufzuklären und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen“. „Wir verurteilen den Ausbruch der Gewalt in den Regionen Tartus, Latakia, Homs auf das Schärfste“, sagte sie.
Die drei Monate nach dem Sturz Assads wiederentflammte Gewalt in Syrien sei ein „Teufelskreis, der das gesamte Land weiter destabilisieren könnte“, sagte die Außenamtssprecherin.
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