Ernste Themen, heitere Stimmung: Mark Rutte (l.) zu Gast bei Donald Trump. © dpa
München – Die Stimmung war gelöst im Oval Office. Donald Trump hatte Mark Rutte zu Gast, einen der wenigen westlichen Politiker, zu dem er ein unverkrampftes Verhältnis pflegt. So war es schon, als Rutte noch niederländischer Ministerpräsident war, so ist es auch jetzt. Dass Rutte als Nato-Generalsekretär einigen Standpunkten Trumps energisch widersprechen müsste, belastete das Klima am Donnerstag nicht. Denn Rutte sparte sich jedes kritische Wort.
Er erhob selbst dann keinen Einspruch, als Trump seine Pläne für eine Annexion Grönlands wiederholte. „Ich denke, es wird passieren“, sagte der Präsident und nannte als Begründung wie so oft die geostrategische Bedeutung der riesigen Insel und die zunehmende Präsenz russischer und chinesischer Schiffe in der Arktis. Rutte reagierte mit einem verlegenen Lachen. Dann betonte er, er wolle die Nato „da nicht mit hineinziehen“.
Das ist irritierend wenig für einen Generalsekretär, der nicht nur dem Nato-Schwergewicht USA verpflichtet ist, sondern auch dem Gründungsmitglied Dänemark. Dort kam Ruttes Manöver entsprechend schlecht an. Der Verteidigungspolitiker Rasmus Jarlov erklärte, man schätze es nicht, „wenn der Nato-Generalsekretär mit Trump solche Witze über Grönland macht“. Das würde „einen Krieg zwischen zwei Nato-Ländern bedeuten“. Der noch amtierende grönländische Premier Mute Egede empörte sich, man dürfe sich vom Weißen Haus „nicht weiter mit Respektlosigkeit behandeln“ lassen. „Genug ist genug.“
Erschwerend kam hinzu, dass sich Rutte auch sonst rhetorisch voll auf Trump-Linie bewegte. Er teile dessen Einschätzung hinsichtlich des hohen Nordens und der Arktis. „Die Chinesen nutzen jetzt diese Routen. Wir wissen, dass die Russen aufrüsten. Wir wissen, dass wir einen Mangel an Eisbrechern haben“, sagte der Generalsekretär. Es sei daher wichtig, dass alle Anrainerstaaten der Arktis mit Ausnahme Russlands unter der Führung der USA zusammenarbeiteten, „um sicherzustellen, dass diese Region, dieser Teil der Welt sicher bleibt“.
Rutte blieb dann auch still, als Trump seine bekannten Tiraden gegen Kanada, ebenfalls Nato-Mitglied, wiederholte. Die Grenze zwischen beiden Staaten sei eine „künstliche Linie“ und der nördliche Nachbar ohnehin viel besser dran, wenn er der 51. Staat der USA würde. Die Nationalhymne „O Canada“ könnten sie ja behalten.
In die bizarre Nachrichtenlage fiel Stunden später dann noch die Meldung des US-Senders NBC, wonach Trump eine weitere feindliche Übernahme forciere. Er erwäge Optionen zur „Rückgewinnung“ des strategisch wichtigen Panamakanals. Unter Berufung auf zwei US-Regierungsvertreter berichtete der Sender von „Optionen für eine Erhöhung der amerikanischen Truppenpräsenz in Panama“, die das Militär ausarbeiten solle. Dies reiche von einer verstärkten Sicherheitszusammenarbeit zwischen den USA und Panama bis hin zu einer tatsächlichen Inbesitznahme. Immerhin: Letztere wird als „weniger wahrscheinlich“ bezeichnet.
Auch dieses Thema verfolgt Trump mit Ausdauer. Seit seinem Amtsantritt im Januar kritisiert er den chinesischen Einfluss auf den Kanal scharf und spricht davon, man werde sich die Wasserstraße „zurückholen“. Inzwischen hat die Regierung Panamas erste Schritte eingeleitet, um Trump zu besänftigen: Der chinesischen Firma CK Hutchison Holdings hat sie die langjährigen Verträge zur Verwaltung der Häfen aufgekündigt.