Soll Deutschland wieder russisches Gas kaufen? Klar, irgendwann – wenn der Preis stimmt und der Kreml Deutschland und Europa nicht mehr mit Krieg droht. Bis dahin aber dürften wohl noch ein paar strenge russische Winter ins Land gehen. Gestern rasselte zur Abwechslung mal nicht Putins Quartalsirrer Dimitri Medwedew mit dem Säbel, sondern Kreml-Sprecher Peskow. Er bezichtigte die EU, sie mache sich zur einer „Art Kriegsgegner“ Russlands. Das klingt, als plane das Schaf den Angriff auf den Tiger. Brüssels neue Verteidigungsanstrengungen kommen in Moskau gar nicht gut an. Derweil läuft Putins Rüstungsmaschinerie auf Höchsttouren. Schon 2029, warnen Generalinspekteur Carsten Breuer und der Militärexperte Carlo Masala, sei Russland, das immer mehr Kräfte nach Westen verlegt, in der Lage, den nächsten großen Krieg anzufangen.
Für deutlich mehr Freude im Kreml dürften hingegen aktuelle Wortmeldungen aus der CDU sorgen. Mehrere Abgeordnete denken dieser Tage laut über die Wiederaufnahme der Gasimporte nach. Vom billigen Russengas zu schwärmen, während Putin gleichzeitig die Tonlage gegenüber den Europäern immer weiter verschärft, ist einigermaßen gespenstisch. Vor allem sendet es das grundfalsche Signal an Putin, dass er mit seinen Drohungen die Deutschen gefügig machen kann. Nur die Allerdümmsten machen denselben Fehler zwei Mal. Hat man denn in Teilen der Union gar nichts gelernt aus dem epochalen Irrtum Merkels, Russland für den Überfall auf die Krim auch noch mit dem Bau der Ostseepipeline zu belohnen?
Es sind vor allem jene, denen die ukrainische Gegenwehr schon immer lästig war und die mit den Sanktionen hadern, die sich in der CDU jetzt wieder zu Wort melden. Sie stoßen in die Bresche, die Donald Trump schlägt. Dessen Leute machen kein Hehl aus ihrem Interesse, die Ostseepipeline zu kaufen. Man darf annehmen, dass dieses Thema auch in dem zweistündigen Telefonat Trumps mit Putin erörtert wurde. Dann läge der russisch-europäische Gashandel in Zukunft in amerikanischer Hand – und Deutschland hätte seine Abhängigkeit von Russland in eine doppelte Abhängigkeit von Russland und den USA verwandelt. Das klingt nach einem miserablen Deal. Gerne würde man dazu von Parteichef Friedrich Merz ein Machtwort hören. Doch der scheint schon mit der SPD alle Hände voll zu tun zu haben, die gerade lustvoll seine Asylpläne torpediert.
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