Andrea Lindholz aus Aschaffenburg ist seit 2013 im Bundestag. © von Jutrczenka/dpa
Berlin/München – Schwungvoll Treppen hoch zu hüpfen, war für Andrea Lindholz sehr schmerzhaft. Ein schwerer Reitunfall 2023, zwei Unterschenkelbrüche und eine Gelenkfraktur, zwang sie über endlose neun Wochen in Kliniken. Erst Monate später, nach aufwändiger Reha am Tegernsee, wurde die CSU-Politiker die Krücken los. Vergleichsweise leicht erklimmt sie hingegen jetzt politisch ein Treppchen. Die 54-jährige Fränkin soll Vizepräsidentin des Bundestags werden. Kein riesiger Karriere-Sprung, aber schon ein Schritt.
Der Personalplan wird in CSU-Kreisen bestätigt; noch gibt es aber weitere Interessenten aus der Landesgruppe. Die Lösung Lindholz ist bei näherem Hinsehen interessant. Dass die CSU für sich einen Vize heraushandelt, gelingt nicht regelmäßig. Lindholz dorthin zu senden, steht für den neuen Kurs, das Bundestagspräsidium angesichts der Herausforderungen durch Radikale rechts und links nicht mehr mit Altgedienten am Ende ihrer Karriere aufzufüllen, Prinzip Austragstüberl, dotiert mit anderthalbfacher Diät. Der Juristin (verheiratet, ein Sohn) wird zugetraut, Debatten straff zu führen. Wer die Sitzung leitet, hat die Ordnungsgewalt im Parlament, inklusive 210-köpfige Bundestagspolizei.
Eigentlich war anderes vermutet worden. Als exponierte Innenpolitikerin, die für einen klaren Asyl-Kurs und kantige Worte steht, war Lindholz fürs Innenressort der neuen Koalition gehandelt worden, notfalls Justiz. Vielleicht nicht als Ministerin, da waren ein paar Bedenken aufgekommen angesichts ihrer geringen Medienerfahrung, aber als Staatssekretärin in einem der Häuser gewiss. Es war ja auch ein Signal, dass die CSU sie auf dem herausgehobenen Listenplatz 2 aufstellte. Und dass Lindholz ihren Wahlkreis Aschaffenburg mit 44 Prozent direkt holte.
Die Personalie geht nun schnell. Am Montag stimmen die Fraktionen intern ab, wen sie aufstellen fürs Präsidium; als Bundestagspräsidentin ist Julia Klöckner gesetzt. Die CSU wird also über Lindholz befinden, ihr bisher einziger Gegenkandidat ist Artur Auernhammer (62), ein Agrarpolitiker aus Ansbach. Bei den Grünen steht eine Kampfabstimmung an von Omid Nouripour, Katrin Göring-Eckardt und Claudia Roth. Bei der SPD ist die bisherige Vizepräsidentin Aydin Özoguz nach antiisraelischen Äußerungen raus; Nachfolge unklar. Am Dienstag konstituiert sich dann der neue Bundestag und wählt seine Führung.
Alle weiteren Personalien in der Regierung sind noch offen. Für die CSU heißt das: vermutlich drei Ministerien mit ein paar Staatssekretären. Dass Lindholz für ein Regierungs-Amt nun aus dem Rennen ist, bestärkt andere Ambitionierte aus der Landesgruppe.
CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER