„Kein König für die USA“, fordert dieser Demonstrant. © afp
Kein Zuschauer mehr: Ex-Präsident Obama. © Popat/dpa
„Hände weg!“ Tausende Amerikaner protestieren am Samstag gegen US-Präsident Trump und seinen Berater Elon Musk. © ROBERTO SCHMIDT
Washington – Nach allem, was man weiß, hatte der US-Präsident entspannte Tage. Donald Trump verbrachte das Wochenende in seinem Anwesen Mar-a-Lago in Florida, wo er erst solvente Gäste zu einem sündteuren Dinner empfing (Teilnahme pro Kopf: eine Million US-Dollar) und dann ein Golfturnier spielte. Noch ist keine Hurrikan-Saison im Sonnenscheinstaat der USA. Aber den Sturm draußen im Land konnte Trump dann doch nicht völlig ignorieren.
Zehntausende Menschen protestierten landesweit gegen die Politik des Republikaners: in Washington, New York, Detroit, Boston, Atlanta und anderen Städten. Laut den Organisatoren soll es 1300 Versammlungen gegeben haben, angeblich mit „Millionen“ Teilnehmern. Unabhängige Zahlen gab es nicht. Es waren die ersten großen Proteste seit Trumps Rückkehr ins Weiße Haus im Januar. Motto: „Hands off“ – Finger weg von der Demokratie.
Nicht der einzige, aber sicher der aktuellste Grund für die Proteste ist Trumps Zollpolitik, die weltweit Börsenkurse einbrechen ließ und auch das Anlagevermögen unzähliger Amerikaner schrumpfte. „Haltet durch“, schrieb der Präsident dazu auf der Plattform Truth Social. „Es wird nicht leicht, aber das Endergebnis wird historisch.“
Die Handelspolitik war aber nur eines der Themen, die die Menschen auf die Straße trieben. „Hört auf, Amerika zu zerstören“ und „Finger weg vom Rechtsstaat“ stand auf Plakaten in Washington. Andere stören sich massiv an Trumps Berater Elon Musk, der – nicht gewählt – im Oval Office ein und aus geht. „Zieht Elon den Stecker“, stand auf Schildern in New York oder: „Ich kann das hier überhaupt nur schreiben, weil es ein Bildungsministerium gab“. Letzteres wird, auch auf Betreiben von Musks DOGE-Behörde, aufgelöst.
Seit er wieder im Oval Office sitzt, greift Trump politisch radikal durch. Innenpolitisch zeigt sich das unter anderem an seiner harten Migrations- und Abschiebepolitik und beim Umbau demokratischer Strukturen. Auch außenpolitisch setzt er auf einen knallharten Kurs. Er kündigte alten Verbündeten die Partnerschaft, droht ihnen offen und nähert sich Despoten wie Kreml-Chef Wladimir Putin an.
Angesichts dessen dauerte es relativ lange, bis sich Widerstand formierte. Auch die Opposition verhält sich bislang zurückhaltend. So langsam scheint sich das aber zu ändern. Der frühere US-Präsident Barack Obama, der in seiner Partei noch immer großen Einfluss hat, rief schon am Freitag dazu auf, Trump mehr entgegenzusetzen. „Ich habe ein Weilchen zugeschaut“, sagte er laut CNN in einer Rede vor Studenten in New York. Die Bürger müssten jetzt selbst aktiv werden. Es werde niemand zur Rettung kommen.
Die Demonstranten vom Wochenende sehen das wohl auch so. Trump sei ein „angehender Autokrat“, sagt eine Demonstrantin, die extra aus Virginia in die Hauptstadt gereist ist. „Ich wünschte, Trump wäre nicht bei einem Golfturnier in Mar-a-Lago, sondern dort und könnte sehen, was hier draußen passiert“, sagt eine andere. Der Präsident ist da gerade auf dem Golfplatz.
MIT DPA/AFP