Schüler auf Krisen vorbereiten

von Redaktion

Mehr Fokus auf Zivilschutz an Schulen. © Marijan Murat/dpa

Berlin – Junge Menschen in Schulen auf Krisen und den möglichen Kriegsfall vorbereiten: Dafür hat sich das Bundesinnenministerium von Nancy Faeser (SPD) ausgesprochen. Ein Sprecher sagte dem „Handelsblatt“: „Angesichts der Entwicklung der sicherheitspolitischen Lage in jüngerer Zeit sollte ein stärkerer Fokus auf den Zivilschutz gesetzt werden, auch schon in der Schulbildung.“ Zustimmung kam vom Deutschen Lehrerverband, von CDU, Grünen und FDP, Kritik von der Linken. Zwar räumt das Ministerium ein, dass die Bundesländer für die Lerninhalte zuständig seien, dennoch stehe der Bund mit dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe bereit, mit Materialien für „junge Menschen und für Lehrpersonen“ zu helfen.

Außerdem begrüßte das Ministerium die Initiative der EU-Kommission „zur Vorbereitung auf kriegsbedingte Krisen“ und riet Bürgern, Vorräte an Wasser, Nahrungsmitteln und lebenswichtigen Gütern anzulegen. „Mit einem Vorrat für mindestens 72 Stunden können vorübergehende Krisensituationen gut bewältigt werden“, so der Sprecher.

Roderich Kiesewetter, CDU-Sicherheitspolitiker, schlug ein Krisentraining für Schüler vor. „Es ist zwingend nötig, dass der Ernstfall geübt wird“, sagte er dem „Handelsblatt“. Zudem sollte aus seiner Sicht „eine Grundausbildung zum Verhalten in Katastrophenlagen“ eingeführt werden. Als Vorbild nannte er Finnland, dort sei dies seit Jahrzehnten in Schulen üblich.

Der Deutsche Lehrerverband begrüßte die Vorschläge. Verbandspräsident Stefan Düll sagte der Mediengruppe Bayern: „Hier geht es um Bewusstseinsbildung und richtiges Verhalten, zum Beispiel auch im Hinblick auf die Alarmierungskette und Resilienztraining.“ Zusätzliches Lehrmaterial zu entsprechenden Themen, wie vom Bundesinnenministerium angesprochen, wäre dabei eine Unterstützung.

Auch Politikerinnen von Grünen und FDP begrüßten den Vorstoß. Zivilschutzübungen „können ein wichtiger Beitrag sein, um Schülerinnen und Schüler besser auf mögliche Krisen vorzubereiten“, sagte Grünen-Parlamentsgeschäftsführerin Irene Mihalic dem „Handelsblatt“. Das gelte auch für das richtige Verhalten bei Naturkatastrophen.

FDP-Verteidigungspolitikerin Agnes Strack-Zimmermann hält Zivilschutzübungen für überfällig. „Es wird Zeit, dass wir auch in sicherheitspolitischen Fragen, insbesondere im Hinblick auf äußere Einflüsse oder mögliche Angriffe, verstärkt aufklären“, sagte sie der Zeitung. Es gehe nicht darum, Angst zu verbreiten, sondern die Realität bewusst wahrzunehmen.

Die Linken-Bundestagsabgeordnete Nicole Gohlke kritisierte die Forderungen hingegen scharf. Die Bildungspolitikerin warf den zukünftigen Koalitionären von Union und SPD unter anderem vor, Angst bei Kindern und Jugendlichen zu schüren.
AFP

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