100 Unis wehren sich gegen Trump

von Redaktion

Bildungseinrichtungen werfen dem Präsidenten Einmischung vor – Harvard verklagt Regierung

Anti-Trump-Protest auf dem Harvard-Campus. Die Elite-Universität klagt gegen die US-Regierung. © dpa

Washington – Vor dem Hintergrund des Streits um akademische Unabhängigkeit haben mehr als 100 US-Universitäten und -Hochschulen in einem öffentlichen Brief Einflussnahme vonseiten der US-Regierung angeprangert. „Wir sprechen uns mit einer Stimme gegen die beispiellose staatliche Bevormundung und politische Einflussnahme aus, die heute amerikanische Hochschulen bedrohen“, hieß es in dem am Dienstag veröffentlichten Brief.

Die Hochschulen seien offen für „konstruktive Reformen“. Sie müssten sich jedoch „unangemessener Einmischung der Regierung“ widersetzen. „Wir müssen die Verwendung von öffentlichen Fördergeldern als Zwangsmittel ablehnen“, erklärten die Bildungseinrichtungen. Zu den Unterzeichnern des Briefs zählen auch die Elite-Universitäten Princeton und Brown.

Die US-Regierung unter Präsident Donald Trump hatte im März die Überprüfung der staatlichen Unterstützung für insgesamt 60 Universitäten und Hochschulen verkündet. Als Grund nannte sie angeblichen Antisemitismus an den Universitäten im Zuge pro-palästinensischer Demonstrationen seit dem Beginn des Gaza-Krieges. Kritiker werfen Trump vor, die Vorwürfe als Vorwand zu nutzen, um die politisch unliebsamen Hochschulen auf Linie zu bringen.

Universitäten, die in das Fadenkreuz der US-Regierung geraten sind, gehen unterschiedlich mit Drohungen über Kürzungen um. Während die Columbia-Universität in New York einlenkte und unter anderem ihre Disziplinarverfahren gegen Studenten reformierte, verklagte die Harvard-Universität bei Boston am Montag die US-Regierung und warf ihr vor, die akademische Freiheit zu gefährden. Die US-Regierung behalte gezielt Bundesmittel ein, „um Kontrolle über die akademische Entscheidungsfindung an der Harvard-Universität zu erlangen“, hieß es in der Klageschrift. Die Maßnahmen seien „willkürlich“ und missachteten unter anderem den ersten Verfassungszusatz, der die Redefreiheit garantiert.

Harvard lehne „Antisemitismus und Diskriminierung in all ihren Formen“ ab. Doch anstatt sich mit der Universität „über diese laufenden Bemühungen zu verständigen“, habe die Regierung „ein umfassendes Einfrieren der Mittel für medizinische, wissenschaftliche, technologische und andere Forschung“ angekündigt, „das überhaupt nichts“ mit Antisemitismus zu tun habe. Trump will Harvard Zuschüsse in Höhe von 2,2 Milliarden Dollar streichen. Er drohte zudem mit der Einstufung als „politische Organisation“.

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