Bei aller Skepsis, die einer Terrororganisation wie der Hamas entgegengebracht werden muss: Sollten die Islamisten wirklich dazu bereit sein, ihre Macht an ihre Todfeinde von der Fatah oder eine andere Palästinenser-Organisation zu übergeben, dann wäre es ein schwerer Fehler von Israel, dieses Friedensangebot auszuschlagen. Zumal die Freilassung aller noch lebenden Geiseln Bestandteil dieses bislang weitgehendsten Verhandlungsangebots sein soll.
Benjamin Netanjahu lehnt aber eine Beteiligung der Palästinensischen Autonomiebehörde an einer künftigen Lösung für den Gazastreifen ab – wohl vor allem, weil ihm das Trump-Wunderland eines Gaza-Urlaubsparadieses ohne Palästinenser so viel attraktiver erscheint. Der gestrige „Tag des Zorns“ wäre aber nur ein kleiner Vorgeschmack auf den dauerhaften Terror und die Kriege, die die Vertreibung der Gaza-Bewohner zur Folge hätte. Eine Zukunftsperspektive für die Palästinenser ist auch in Israels Interesse.
Dem ursprünglichen Kriegsziel, die Hamas zu entmachten, war Israel nie näher als mit diesem Angebot. Militärisch und finanziell liegt die Hamas momentan am Boden. Im Gazastreifen werden inzwischen vor allem Trümmer bombardiert. Eine Strategie, was das israelische Militär dort noch erreichen will, ist längst nicht mehr sichtbar. Wenn Netanjahu dem fatalen Eindruck entgegentreten will, dass er seine Soldaten nur noch für seinen Machterhalt und nicht für Israels Zukunft und die Geiseln kämpfen lässt, muss er auf dieses Hamas-Angebot eingehen.
KLAUS.RIMPEL@OVB.NET