Es wirkt fast schon löblich, wie einsichtig sich Wladimir Putin plötzlich gibt: Nach mehr als drei Jahren Krieg erklärt er sich erstmals offen für direkte Verhandlungen mit Kiew. Er habe „registriert“, dass sich die Ukraine wirklich um eine Waffenruhe bemüht. Man könne ja zumindest mal darüber sprechen – auch bilateral. Dazu die überraschend angekündigte Oster-Ruhe. Hätte er nicht kurz zuvor am Palmsonntag Zivilisten mit ballistischen Raketen beschießen lassen, könnte man fast meinen, der Kreml-Chef habe wirklich genug vom Blutvergießen.
Putin streckt nicht die Hand nach Kiew aus – seine Botschaft richtet sich an niemand anderen als Donald Trump. Die USA üben derzeit massiven Druck auf Selenskyj aus: Als Washington einen Nato-Beitritt der Ukraine ausgeschlossen hat, ließ man in Moskau die Korken knallen. Nun könnte Trump sogar bereit sein, die Krim als russisches Staatsgebiet anzuerkennen. Für Putin ist das die goldene Gelegenheit, um sich ihm als vermeintlich kooperativen Gesprächspartner anzubiedern.
Dass die Oster-Ruhe in Wirklichkeit nie in Kraft trat? Nebensache. Putins Absicht liegt auf der Hand: Er inszeniert sich als Friedensengel, nur um der Ukraine anschließend den Bruch des Waffenstillstands vorzuwerfen. Besonders bitter: Trump dürfte darauf auch noch reinfallen.
KATHRIN.BRAUN@OVB.NET