Vom Quereinsteiger zum Sicherheitsrisiko

von Redaktion

Nach Militärplänen im Gruppen-Chat: Kritik an Hegseth aus eigenen Reihen – „inakzeptabel“

Washington – Veteran, Princeton- und Harvard-Absolvent, ehemaliger TV-Moderator für Fox News – und Politik-Quereinsteiger: Letzteres scheint US-Verteidigungsminister Pete Hegseth derzeit ganz schön auf die Füße zu fallen. Der Republikaner stolpert von einer Chat-Panne in die nächste. Den nun soll auch noch die Ehefrau des Republikaners in einem Gruppen-Chat mit sensiblen Informationen gewesen sein. Der Ruf nach Konsequenzen wird lauter – auch aus den eigenen Reihen. Derweil betont das Weiße Haus, hinter dem Minister zu stehen.

Erst Ende März hatte Hegseth für Schlagzeilen gesorgt, als er und andere Regierungsmitglieder im Kurzbotschaftendienst Signal detaillierte Informationen über einen Militärschlag auf die Huthi-Miliz im Jemen ausgetauscht hatten. Jedoch ohne zu merken, dass ein Journalist versehentlich ebenso ein Teil der Gruppe war. Verantwortlich dafür war Sicherheitsberater Mike Waltz.

Die mediale Aufmerksamkeit scheint dem ehemaligen TV-Moderator allerdings nicht gereicht zu haben. Laut „New York Times“ gibt es einen zweiten Gruppen-Chat, den Hegseth sogar selbst erstellt haben soll. Im Januar sollen rund ein Dutzend Mitglieder aus seinem persönlichen und beruflichen Umfeld Teil davon gewesen sein. Darunter seine Ehefrau, sein Bruder und sein Anwalt. In dem Chat soll Hegseth ebenso Details eines Angriffs auf die Huthi-Miliz im Jemen geteilt haben. Besonders brisant: Das soll noch vor Hegseths Vereidigung als Verteidigungsminister gewesen sein.

Gegenwind kommt nun erstmals auch aus der eigenen Partei. So sagte der republikanische Kongressabgeordnete Don Bacon dem Magazin „Politico“, Hegseth agiere amateurhaft. Sollten die Berichte über den zweiten Signal-Chat stimmen, sei das „völlig inakzeptabel“. Er wolle dem Weißen Haus nicht vorschreiben, wie damit umzugehen sei. Aber: „Wenn ich das Sagen hätte, würde ich das nicht tolerieren.“

Trump-Sprecherin Karoline Leavitt verwies darauf, dass der Präsident Hegseth Stunden zuvor öffentlich den Rücken gestärkt hatte. Trump selbst sagte der „New York Times“ zufolge, dass die Angelegenheit ohnehin Zeitverschwendung sei.

Bei einem Osterfest für Familien im Garten des Weißen Hauses sagte Hegseth selbst zu den Informationen über den zweiten Signal-Chat, die Vorwürfe beruhten auf Angaben von verärgerten ehemaligen Angestellten. Diese versuchten, „Leute niederzumachen und ihren Ruf zu ruinieren. Das funktioniert bei mir nicht.“

Rechtsprofessor Ryan Goodman, der einst als Jurist im Verteidigungsministerium aktiv war, sagte indes im Sender CNN, dass der zweite Chat potenziell ein größeres Problem für Hegseth sein könne. Schließlich habe er Angriffspläne mit Leuten geteilt, „die sie nie hätten erhalten sollen“. Und dabei steht eben nicht nur Hegseths Ruf auf dem Spiel, sondern auch die nationale Sicherheit.
FWE/DPA

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