Acht Stunden anstehen für den Abschied

von Redaktion

Im offenen Sarg wird der Leichnam des verstorbenen Papstes über den Petersplatz in den Petersdom getragen. © Vatican Media

Rom – Der Sturm auf Rom ist manchmal wuchtig, manchmal subtil. In der Latteria Giuliani zum Beispiel, einer kleinen Bar in Vatikannähe, muss Alessandro nicht nur Bestellungen für Getränke und panini con prosciutto aufnehmen, sondern seit Neuestem auch logistische Informationen geben. Wie kann man dem noch bis Freitagabend im Petersdom aufgebahrten Leichnam von Papst Franziskus eine letzte Ehre erweisen, fragen ihn ein paar Kunden.

Alessandro weiß erst nicht, was er sagen soll, dann wendet er sich an einen blond gelockten Reporter des Bayerischen Rundfunks, der ihm locker die gewünschte Information zuwirft. „Einfach anstellen, Petersplatz!“ Alessandro gibt es so an seine Kundschaft weiter. Bis zu acht Stunden dauerte es am Mittwoch, durch Absperrungen und Sicherheitskontrollen von der Piazza bis zum Leichnam des Papstes vor dem Altar des Petersdoms vorzudringen. Am Morgen war Franziskus im offenen Sarg in einer feierlichen Prozession aus der Kapelle des Vatikangästehauses Santa Marta in den Petersdom getragen worden.

Schon früh morgens erwarten Polizisten, Hilfspersonal der italienischen Bahn, als freiwillige Helfer beschäftigte Pfadfinder und Sanitäter die in Richtung Petersplatz strömenden Besucher. Rund 100 000 Menschen waren es am Dienstag, für Samstag zur Begräbnisfeier von Franziskus werden mehr als 200 000 Personen auf der Piazza erwartet. Gleichzeitig befinden sich etwa 130 000 Jugendliche in der Stadt, die der Heiligsprechung des „Internet-Apostels“ Carlo Acutis beiwohnen wollten, nun aber ein Papstbegräbnis erleben können. Die Heiligsprechung wurde auf einen noch unbestimmten Zeitpunkt verlegt.

Die normalerweise recht durchlässigen Polizeikontrollen erweisen sich als überraschend streng. Überall Absperrgitter, gelbe Plastikbänder und spontane Kontrollen. 2000 Pressevertreter haben sich neu beim Vatikan akkreditiert, zusätzlich zu den 500 fest akkreditierten Journalisten. Unter den 170 Staats- und Regierungschefs werden US-Präsident Donald Trump, Bundeskanzler Olaf Scholz, der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sein. Manche Beobachter hoffen auf eine „Beerdigungs-Diplomatie“: dass es am Rande der Trauerfeier zu politischen Gesprächen zwischen Trump und Selenskyj kommen könnte.

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