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Lieber kein Deal als ein schlechter

von Redaktion

Trumps Ukraine-Plan schockt Europa

Ein Deal, bei dem einer alles kriegt und der andere gar nichts, ist kein Deal: So katastrophal ist Trumps angeblich „finales Angebot“ an die Ukraine, dass diese gar nicht anders kann als dankend abzulehnen. Zum Kapitulieren braucht Kiew nicht die Vermittlung des untreuen Maklers USA.

Einen „Friedensplan“ nach Strickart des Trump-Vorschlags gab es in Europa schon mal, und er hat nur Unglück über den Kontinent gebracht: 1939 wurde der Hitler-Stalin-Pakt zur Aufteilung Polens geboren. Genauso soll jetzt nach dem Willen Putins und Trumps mit der Ukraine verfahren werden: Russland bekommt die erbeuteten Gebiete, die USA die Bodenschätze – und Europa Millionen neuer Flüchtlinge. Denn ohne harte Sicherheitsgarantien wird der Krieg nur ein paar Jahre vertagt, bleibt die Freiheit der Rest-Ukraine ein Versprechen auf Widerruf. Dafür haben die Ukrainer nicht hunderttausend ihrer Tapfersten geopfert. Die Brutalität und Gnadenlosigkeit, mit der Moskau selbst jetzt noch, im Schatten der Friedensverhandlungen, Kiew bombardiert, zeigt Putins Entschlossenheit, das demokratische Nachbarland von der Landkarte zu radieren.

Selbst wenn den Europäern das Schicksal des Landes völlig egal wäre, könnte es diesen Deal nicht akzeptieren, weil auf dem Altar des Trump-Putin-Deals auch ihre eigene Sicherheit geopfert wird: Fällt das Bollwerk Ukraine und ist Amerika im Gegenzug nicht bereit, den Schutz europäischer Friedentruppen in der Ukraine zu garantieren, wird der Krieg im Osten in nicht allzu ferner Zukunft weitergehen. Spätestens dann hätte die EU den russischen Eroberern nichts mehr entgegenzusetzen.

Europas Verteidigung seiner Freiheit auf den Schlachtfeldern der Ukraine ist das eine. Doch welche Schlüsse würde Trump ziehen, wenn die Europäer zu schwach sind, für ihre elementarsten Sicherheitsinteressen zu kämpfen? Wie lange bliebe dann etwa Grönland unangetastet von der gierigen Supermacht USA, die sich keinen gemeinsamen Werten mehr verpflichtet fühlt? Auch wenn es schmerzhaft ist: Europa braucht jetzt eine Koalition der Willigen, die bereit ist, die Ukraine so stark zu machen, dass Putin in echte Verhandlungen eintreten muss. Und Deutschland muss darin eine Führungsaufgabe übernehmen. Anders als der ewig zaudernde Scholz scheint Friedrich Merz dazu bereit.
GEORG.ANASTASIADIS@OVB.NET

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